Kinozentrum kämpft weiter um Augarten

19. April 2007, 20:12
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Private Sponsoren Ehepaar Reder will das Projekt zur Gänze finanzieren - Konzertsaal-Bau für Sängerknaben hat für Stadt Wien dennoch mehr Chancen

Nächste Runde im Kampf um einen Bauplatz im Wiener Augarten: Filmarchiv und Viennale haben einen privaten Sponsor für ihr geplantes Filmkulturzentrum gefunden. Jetzt sei die Politik gefordert, sich zwischen Kino und Sängerknaben zu entscheiden - von Karin Krichmayr

Wien - "Mit heutigem Tag sind beide Bewerber auf Augenhöhe", verkündete Viennale-Direktor Hans Hurch am Mittwoch hoffnungsfroh. Vor wenigen Wochen hatte er gemeinsam mit Ernst Kieninger, dem Geschäftsführer des Filmarchivs Austria, ein Projekt für ein Filmkulturzentrum im barocken Augarten-Park in Wien-Leopoldstadt vorgestellt, genau an jenem Spitz, den die Wiener Sängerknaben für ihre neue Konzerthalle auserkoren haben.

Einzigartiges Engagement für Österreich

Bisher waren die Sängerknaben im Vorteil, da sie mit dem Fondsmanager Peter Pühringer einen finanzkräftigen Sponsor im Rücken hatten, was auch Politiker wie Bürgermeister Michael Häupl ins Treffen führten. Jetzt haben auch Filmarchiv und Viennale einen Finanzier für das von den Architekten Delugan und Meissl geplante Sechs-Millionen-Euro-Projekt gefunden: Das Ehepaar Ingrid und Christian Reder, die mit ihrer Privatstiftung Orion die Errichtungskosten für das Filmkulturzentrum, in das ein Filmmuseum, ein Kino und Ausstellungsflächen einziehen sollen, zur Gänze übernehmen würden. "So ein Engagement ist in Österreich einmalig", freute sich Kieninger.

Signalprojekt im früheren Kinobezirk

Das Filmkulturzentrum Augartenkino solle "gerade im früheren Kinobezirk Leopoldstadt, von dem über erzwungene Emigration so viele Impulse ausgegangen sind", als "Signalprojekt für Film und Medien" ermöglicht werden, begründeten Ingrid Reder, Tochter des Gründers des Lichttechnikunternehmens Zumtobel AG, und der Autor und Kunstprofessor Christian Reder ihre Entscheidung.

Signal von Stadt Wien erwartet

"Wir erwarten jetzt eine klare Haltung von Bund und Stadt", betonte Kieninger. Wovon die Verantwortlichen (noch) weit entfernt sind: Von der Kulturministerin Claudia Schmied über Bürgermeister Häupl, die Kultur- und Planungsstadträte bis zum Bezirksvorsteher Gerhard Kubik (alle SP) - niemand will sich für oder gegen eines der Projekte aussprechen, alle würden am liebsten beide am selben Ort sehen. Die Entscheidung liege beim Wirtschaftsministerium als Grundeigentümer, heißt es unisono. Dort wiederum wartet man auf die Erteilung einer Bauerlaubnis durch die Stadt, die nun zuständig sei. Prinzipiell befürworte man das Projekt der Sängerknaben, mit deren Verein man bereits einen Vertrag vorbereite. (DER STANDARD Printausgabe 19.4.2007)

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    Das Filmarchiv Austria und die Viennale haben einen Sponsor für das Filmkulturzentrum im Wiener Augarten gefunden: Tochter des Gründers des Lichttechnikunternehmens Zumtobel AG Ingrid Reder und ihr Mann Christian Reder wollen mit ihrer Stiftung Orion den Bau des Projekts zur Gänze finanzieren.

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    Modell für den 400 Zuschauer fassenden Konzertsaal für die Wiener Sängerknaben im Augarten

    Bisher wurde der Bau des Konzertsaales für die Sängerknaben von Bürgermeister Michael Häupl bevorzugt, da ein Film-Kulturzentrum nicht finanzierbar wäre. Für das Sängerknabenprojekt wäre die Finanzierung geklärt. Nun sieht die Lage anders aus

  • Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl favorisiert das Filmprojekt. Er fürchtet einen "Kulturkampf" um das Augarten-Areal. 

"Ein Konzertsaal für die Sängerknaben hätte nichts mit Kulturförderung zu tun, sondern hauptsächlich touristische Gründe", so Zinggl. Während hier versucht werde, eine Kunst aus dem 19. Jahrhundert noch künstlich hochzuhalten, sei Film ganz klar eines der wichtigsten Medien unserer Zeit. Zudem spreche die Planung des Filmkulturzentrums für eine starke Öffnung des Augartens - und wenn schon gebaut werden müsse, dann solle dies so geschehen, dass der Park damit besser zugänglich werde, so Zinggl.
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    Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl favorisiert das Filmprojekt. Er fürchtet einen "Kulturkampf" um das Augarten-Areal.

    "Ein Konzertsaal für die Sängerknaben hätte nichts mit Kulturförderung zu tun, sondern hauptsächlich touristische Gründe", so Zinggl. Während hier versucht werde, eine Kunst aus dem 19. Jahrhundert noch künstlich hochzuhalten, sei Film ganz klar eines der wichtigsten Medien unserer Zeit. Zudem spreche die Planung des Filmkulturzentrums für eine starke Öffnung des Augartens - und wenn schon gebaut werden müsse, dann solle dies so geschehen, dass der Park damit besser zugänglich werde, so Zinggl.

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    Wo man im Bild das mögliche Konzerthaus sieht, könnte künftig auch ein Filmzentrum stehen. Ob die Wiener lieber das Augartenkino oder ein Konzerthaus im Augarten wollen, muss nun neu bewertet werden.

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