Burgenland und Esterházys legen Streit bei

16. Oktober 2007, 15:32
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Im Zuge eines Familien- Streits waren sich Teile der burgenländischen Landesregierung mit den Esterházys, den größten Grundbesitzern des Landes, in die Haare gekommen

Jetzt wurde die leidige Causa per "Gipfeltreffen" beigelegt sowie gemeinsame Pläne geschmiedet.

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Eisenstadt/Kismarton - Landeshauptmann, Finanzlandesrat und Landesamtsdirektor auf der einen, das Direktorium der Esterházy'schen Privatstiftung auf der anderen Seite, so traf man sich Anfang der Woche bei einem burgenländischen "Gipfel" - was im flachen Pannonien natürlich nicht topografisch zu verstehen ist. Es ging vielmehr um die Aussöhnung an höchster Stelle, zwischen Landesadministration und dem größten Grundbesitzer und wichtigsten Kulturpartner des Landes. Laut den Beteiligten seien alle Differenzen der Vergangenheit ausgeräumt, man wolle zwei Großprojekte gemeinsam durchziehen: Renovierung, Erweiterung und Modernisierung des Schlosskomplexes in Eisenstadt, voraussichtlich inklusive eines Oberklassehotel-Projektes um - kolportierte - 100 Millionen Euro.

Wie die Kosten auf Familie, Stadtgemeinde, Land und Bund aufgeteilt werden, darüber will noch niemand offiziell reden. Fix ist, dass man bis zum Haydn-Jahr 2009 fertig sein will, die Zeit also drängt.

Familienstreit

Dem Zerwürfnis zwischen Landespolitikern und der Domäne Esterházy voran gegangen ist ein Familienstreit. Entfernte Verwandte von Melinda Esterházy-Ottrubay, Witwe und Erbin des 1989 verstorbenen Familienoberhaupts Paul Esterházy, warfen ihrem Neffen Stephan Ottrubay vor, die vermögende Tante gegen ihren Willen von der Öffentlichkeit auszuschließen. Der Neffe ist seit 2000 Direktor der drei Esterházy-Stiftungen, was wiederum Anton Esterházy, Pauls Bruder, sehr aufregte. Es folgten gegenseitige Schuldzuweisungen, teilweise über Boulevard-Medien, dann Klagsdrohungen und Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Es geht immerhin um eines der größten Privatvermögen Österreichs.

Dann hieß es, der Büroleiter von Landeshauptmanns Hans Niessl, Martin Ivancsits, habe sich mit den innerfamiliären Kontrahenten, dem bayrischen Grafenpaar Endre und Christine Esterházy, getroffen. Was dieser auch gar nicht bestritt, nur konspirative Absichten wären keine dahinter gesteckt. Wie auch immer, das sei nun alles ausgeräumt, verlautete am Dienstag auf STANDARD-Anfrage aus dem Büro der Landesregierung wie auch seitens der Esterházys.

Bekannt gegeben wurde am selben Tag weiters, dass die Stiftungen neu ausgerichtet werden. Drei neue Vorstände - siehe dazu den Artikel "Namen" - wurden neu berufen, um die "internationale Ausrichtung" der Wirtschaftsbetriebe auszuweiten (man ist seit Kurzem wieder Waldbesitzer in Rumänien). Sie unterstützen die bisherigen Vorstände, Stephan Ottrubay (der 52-jährige gebürtige Schweizer ist gelernter Rechtsanwalt) und den Wirtschaftstreuhänder Günther Cerha.

Internationalisierung

In einer Aussendung heißt es: Melinda Esterházy und ihr Bruder Josef Ottrubay hätten entschieden, "im Interesse des langfristigen Zusammenhaltes der Esterházy'schen Stiftungen mit 1. Mai 2007 einen Direktionsrat ins Leben zu rufen". Diesem gehören als Vorsitzender der Züricher Anwalt Max Albers-Schönberg sowie sein Wiener Kollege Günter Horvath an. "Der Direktionsrat übt die oberste Kontrolle über die Stiftungen aus und regelt die Nachfolge der Vorstandsmitglieder der einzelnen Stiftungen." Weiters werde "in den nächsten Monaten" ein Fachbeirat eingesetzt, der "die Entwicklung von Esterházy im Bereich Kultur sowie in den Wirtschaftsbereichen" begleiten und unterstützen solle. Das ehemalige Stiftungsvorstandsmitglied, der Anwalt Christian Kuhn, werde dem neu geschaffenen Wirtschaftsbeirat auch angehören. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.4.2007)

  • Melinda Esterházy und ihr Neffe Stephan Ottrubay, Manager des Familienerbes...
    foto: epa/kovacs

    Melinda Esterházy und ihr Neffe Stephan Ottrubay, Manager des Familienerbes...

  • ...wollen das Schloss in Eisenstadt bis zum Joseph-Haydn-Jahr 2009 (31. Mai, 200. Todestag des Komponisten) sanieren, umbauen und erweitern.
    foto: esterházy

    ...wollen das Schloss in Eisenstadt bis zum Joseph-Haydn-Jahr 2009 (31. Mai, 200. Todestag des Komponisten) sanieren, umbauen und erweitern.

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