
Sudanesische Rebellen operieren auch im Nachbarland Tschad, das längst in die Darfur-Krise involviert ist. Nun sollen 3000 UN-Soldaten helfen, die Vertreibung von Zivilisten und den Bürgerkrieg zu stoppen.

Gerade einmal vier Soldaten unter dem Mandat der Afrikanischen Union (AU) bewachen die 55.000 Flüchtlinge im Lager Otash im Süden Darfurs. Harry Donsbach von Worldvision ist gerade aus dem vier Jahre alten Camp zurückgekommen. Es gibt Engpässe bei der Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln. „Praktisch stündlich kommen neue Flüchtlinge an.“ Und wer das Lager auf der falschen Seite verlässt, dort, wo es noch ein bisschen Brennholz gibt, riskiert, überfallen, vergewaltigt oder ermordet zu werden. Die AU-Soldaten, die alleine mit zwei Jeeps die Sicherheit von Tausenden gewährleisten sollen, können selbst in Sichtweite des Lagers keine Sicherheit garantieren.
Unterfinanziert
Dass die gut 7000 Soldaten unter AU-Mandat zu wenige sind, zu schlecht ausgerüstet und chronisch unterfinanziert, bestreitet nicht einmal die Afrikanische Union selber. Seit Monaten gehört sie zu den stärksten Fürsprechern für eine gemischte Truppe, der auch UN-Blauhelme angehören sollen. Doch erst in der Nacht zum Dienstag gab Khartums Regierung dem massiven internationalen Druck nach und stimmte der zweiten Phase eines Planes zu, den Sudans Präsident Omar Hassan el Baschir schon im November vereinbart hatte – im Prinzip.
Doch Sudan, dessen Armee mit den Janjaweed-Milizen Jagd auf Rebellen und die panische Zivilbevölkerung macht, hatte sich später nicht mehr daran erinnern wollen. Dass sie jetzt 3000 UN-Militärbeobachter und Polizisten mit Panzerfahrzeugen und sechs Militärhubschraubern ins Land lassen will, nennt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein „positives Signal“.
Doch Desiré Assogbavi, der die Entwicklungsorganisation Oxfam bei der AU vertritt, ist skeptisch. „Ich möchte wirklich glauben, dass Sudans Regierung es diesmal ernst meint.“ Doch dafür habe er den seit vier Jahren währenden Konflikt, bei dem mindestens 200.000 ums Leben gekommen sind und fast zweieinhalb Millionen vertrieben, zu lange verfolgt. „Khartum hat schon oft heute Ja und morgen Nein gesagt.“
Dass 3000 Soldaten mehr der Gewalt in Darfur ein Ende machen, glaubt Assogbavi ohnehin nicht. „Darfur braucht einen robusten Militäreinsatz mit mindestens 20.000 Soldaten, so wie es der Sicherheitsrat beschlossen hat.“ Zudem befürchtet Assogbavi, dass die sudanesischen Behörden den Einsatz der UN in Darfur so lange wie möglich verzögern werden. Schon für die AU-Truppen standen Jeeps monatelang im Hafen, weil angeblich Zollpapiere fehlten. Vier Monate, so Assogbavis Schätzung, werden die UN alleine brauchen, um die nötigen Truppen und Gelder zusammenzukriegen. (Marc Engelhardt aus Nairobi/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2007)
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