Otto-Otto

    24. April 2007, 15:12
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    Weiteres zur Namensforschung

    In der Vorwoche haben wir uns produktiv mit dem Eigennamen „Rudolf“ auseinandergesetzt (“ich glaub’, ich werd’ zum Rudolf“). Das hat den Chronisten auf die Idee gebracht, weitere einschlägige Nachforschungen anzustellen und sich den erstbesten Namen vorzuknöpfen, der ihm in die Quere kommen sollte. Wie der Zufall es aber so wollte, kam ihm der wohlklingende Name „Otto“ in die Quere, und zu diesem gibt es nun folgendes zu sagen:

    „Der früher sehr häufige, jetzt aber seltener gewordene Vorname ,Otto’ gilt, wohl gerade wegen seiner Häufigkeit, als redensartliche Bezeichung eines Durchschnittsmannes, z. B. ,Otto Normalverbraucher’, der nur die einfache, normale Lebensmittelkarte bekam’ (…) ,Jemanden zum Otto machen’, ihn heftig ausschimpfen (etwa seit 1930). ,Von wegen Otto’, Ausdruck der Verneinung; vielleicht weil man einen Menschen mit dem Allerweltsnamen Otto anredet, der einen ganz anderen Vornamen hat. ,Otto’ oder ,Otto-Otto’, irgendeine nicht näher bezeichnete Sache. ,Otto-Otto!’ aber auch anspornender Zuruf; Ausdruck höchsten Lobes. Die Wendung soll von dem Filmschauspieler Hans Albers stammen: mit ,Otto, Otto!’ spornte er den volkstümlichsten Jockei Otto Schmidt im Hoppegarten an (1920ff.). (…) ,Einen flotten Otto haben’, Durchfall haben, seit dem Anfang des 20. Jh. gebraucht.“ (Zitat aus: Lutz Röhrich, Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Herder 1992).

    In Ernest Bornemanns Lexikon „Sex im Volksmund“ habe ich die Wendung „einen Otto bauen“ gefunden, was soviel bedeuten soll wie „geschlechtskrank werden“ oder „sich eine Abfuhr holen“. In diesem Sinn war mir der Otto unbekannt, das gilt auch für den Ausdruck „Onkel Otto“, für Männerabort (ebenfalls nach Bornemann). ,Otto Normalverbraucher’ sollte heute wahrscheinlich durch ,Kevin Normalverbraucher’ ersetzt werden. An die p.t. Leser richte ich die Bitte, großzügig ihre ganz persönlichen Otto-Assoziationen beizusteuern. Aber auch Anmerkungen zum exotischen Gebrauch anderer Namen (Gretel, Gustav, Hansl, Karl, Mitzi, Peppi usf.) sind herzlich willkommen.

    Von Christoph Winder
    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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