ÖBB verteidigen Auftrag für digitalen Zugfunk

26. April 2007, 11:29
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Kürzere Fahrzeiten, neue Angebote im Zug und mehr Sicherheit - Auftragnehmer Kapsch verweist auf Erfahrung in anderen Ländern

Fünf Tage nach dem Beschluss des Holding-Aufsichtsrates haben die ÖBB am Dienstag den 40 Mio. Euro-Auftrag zur Einrichtung eines neuen digitalen Zugfunk-Systems GSM-R verteidigt. Gilbert Trattner, Vorstand der für den Telekom-Bereich zuständigen ÖBB-Infrastruktur Bau AG bezeichnet die Systemumstellung als "notwendigen technologischen Fortschritt."

"Freight Tracking"

Viele der derzeit bei den ÖBB betriebenen analogen Funksysteme seien am Ende ihres Lebenszyklus angelangt. Geplante Fahrzeiten Wien-Salzburg in 2 Stunden 15 oder Wien-Innsbruck in rund vier Stunden wären ohne den Einsatz von GSM-R neben anderen infrastrukturellen Maßnahmen nicht möglich. Außerdem werde der Zugfunk in Zukunft Fahrkartenverkauf, Platzreservierung und elektronische Fahrgastinformationen im Zug sowie die Nachverfolgung von Güterladungen ("Freight Tracking") ermöglichen. Vor allem aber trage das neue System maßgeblich zur Erhöhung der Sicherheit im Eisenbahnbetrieb bei und sei für die betriebliche Kommunikation, insbesondere im internationalen Zugverkehr unverzichtbar, so die ÖBB.

Auftrag ging an Kapsch

Den Auftrag erhalten hat das Wiener Technologieunternehmen Kapsch. Kapsch wird zunächst bis Jahresende eine 80 Kilometer lange Pilotstrecke Wels-Passau mit GSM-R ausstatten. Der Gesamtauftrag umfasst rund 3.500 Streckenkilometer des heimischen Schienennetzes.

Bis vergangenen Freitag ÖBB-Holding-Aufsichstrat

Kari Kapsch, von 2004 bis vergangenen Freitag ÖBB-Holding-Aufsichstrat, sitzt als Vertreter der Eigentümer-Familie auch im Aufsichtsrat der Kapsch CarrierCom. Vor der Beschlussfassung in den ÖBB ist Kapsch von seinen Funktionen bei den Bundesbahnen zurückgetreten.

Bestbieter

Die ÖBB betonten am Dienstag einmal mehr, dass Kapsch "bei einer öffentlichen Ausschreibung als Bestbieter hervorgegangen" sei. Kapsch selbst verweist auf erfolgreiche Projekte in der Slowakei und Tschechien. Die Entscheidung sei "neben Kostenargumenten vor allem auf Grund der Beurteilung unseres umfassenden, europaweiten Technik Know-hows erfolgt", gab sich Kapsch CarrierCom-Vorstand Thomas Schöpf in einer Pressemitteilung überzeugt. Kooperationspartner Nortel stattet auch die Schienennetze in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Tschechien und Slowakei mit GSM-R aus. (APA)

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