Die Mitternachts-ZiB zum Frühstück

22. Juni 2007, 13:20
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Internet-Fernsehen wird eine neue Industrie hervorbringen, ist Telekom Austria-Technikchef Helmut Leopold überzeugt - Neue Mitspieler im TV-Markt

Traditionell ist die NAB Show (National Association of Broadcasting) das alljährliche Hochamt der TV-Branche, das seit Sonntag in Las Vegas über die Bühne geht. Aber heuer mischen sich zu den TV-Promis, Sendern, Filmstudios und Ausstattern wie Sony, Canon oder Panasonic noch weitere Teilnehmer: Internetkonzerne wie Google (mit YouTube) und Telekomkonzerne wie die Telekom Austria (TA).

"Es entsteht eine neue Industrie"

"Es geht bei uns nicht mehr um Telefonie", erklärt TA-Technologiechef Helmut Leopold, warum die TA an der weltgrößten elektronischen Medienshow teilnimmt. "Hier entsteht im Zusammenspiel von Content und neuen Verteilmöglichkeiten über Internet eine neue Industrie."

Den ersten vorsichtigen Schritt dazu hat die Telekom Austria bereits vor rund einem Jahr gemacht, als sie "AonTV" auf den Markt brachte - mit Internet-Protokoll über das Telefonnetz verbreitetes TV (IP-TV) mit neuen Services wie "Video on demand" oder "Timeshift", also der Möglichkeit, Sendungen zu einem beliebigen Zeitpunkt ansehen zu können.

IP-TV steht noch am Anfang

IP-TV steht noch am Anfang, rund drei Millionen Anschlüsse werden weltweit gezählt, in Wien sind es gerade etwas mehr als 4000. In einzelnen Regionen zeigt die Technik, dass sie bereits serienreif ist: In Frankreich sind es etwa mehr als eine halbe Million Teilnehmer. Bis 2010 will auch die Telekom Austria wenigstens 400.000 Kunden für sein IP-TV gewonnen haben.

Zusätzlicher Nutzen

Der Ausbau sei bisher zum einen aus technischen Gründen nur langsam vorangekommen, sagt Leopold: Im Vorjahr habe man nur Wien mit IP-TV versorgen können, heuer sei dies für den Großteil des Landes möglich, und das sei eine Voraussetzung, um das Produkt wirklich österreichweit bewerben zu können.

Vorteile

Zum anderen müssten Kunden die Vorteile kennen lernen, denn auf den ersten Blick scheint es gegenüber einem normalen Kabelanschluss eher Nachteile zu haben: Für das Umschalten zwischen Kanälen brauche IP-Technik eine "Schrecksekunde", was gewöhnungsbedürftig ist. Erst dann könne man den zusätzlichen Nutzen erkennen, wie Spielfilme und Videoangebote, die individuell abrufbar sind (on demand).

Phase zwei

"Broadcasting und Video on demand funktioniert, jetzt kommt die Phase zwei von IP-TV", sagt Leopold, nun müsse sich zeigen, was der Zusatznutzen der neuen technischen Verteilmöglichkeit sei. "Neben dem klassischen Film- und TV-Content gibt es tausende potenzielle neue Kanäle, wie der Rest der Sportübertragung, von der im Programm nur ein paar Minuten gezeigt werden können." So könnte die ZiB 24, die um Mitternacht nur noch wenige Zuseher erreicht, auch zum Frühstück konsumiert werden.

Content-Anbieter überzeugen

Jetzt müsse man Content-Anbieter wie den ORF überzeugen, dass IP-TV nicht nur eine Bedrohung ihres Geschäftsmodells sei, sondern neue Möglichkeiten bietet. Mit IP-TV könne man Werbung genau an die Konsumenten richten, die man erreichen will - da anders als bei Übertragung durch Funk oder Kabel der einzelne Zuschauer "bekannt" sei.(Helmut Spudich aus Las Vegas/DER STANDARD, Printausgabe vom 17.4.2007)

  • Beim Internet-TV kann jeder Zuseher sein eigener Programmdirektor sein.
    foto: ta

    Beim Internet-TV kann jeder Zuseher sein eigener Programmdirektor sein.

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