Kraftübungen mit Peristaltik

17. April 2007, 13:34
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In "Antiklimax" schmatzt sich Werner Schwabs Sprache in besonders genüsslicher Form durch die ihr typische Unterleibsmetaphorik - Kosmos Theater

Aus der Präsentationslehre für überzählige Daseinsartikel: Wenn "das" Mariedl (Eva Maria Neubauer) für das Publikum im Kosmos Theater im Interieur ihrer eigenen Wirklichkeit aufschreckt, so tut sie das auf Glasbühnenboden. Rund um diesen durchsichtigen Kasten (Bühne: Reinhard Taurer) haben die Meister ihrer Existenz (Kirche, Staat, Vater, Mutter, der Bruder) groteske, überdimensionierte Pappmaschee-Gestalt angenommen (Figuren: Gerti Tröbinger). Hier, im Stück Antiklimax, schmatzt sich Werner Schwabs Sprache in besonders genüsslicher Form durch die ihr typische Unterleibsmetaphorik.

Mariedl hat sich einen Eigenbereich in ihrem Existenzdreckshaufen ausgestampft. Und darin führt Neubauer ihre Figur durch ein feingliedriges Ballett des Aufraffens und Zurückfallens. Ihr Monolog gegen die Machtstimmen aus dem Bühnen-Off bleibt dabei geschunden, funkelt aber wunderlich resistent.

Evelyn Fuchs' Inszenierung verdichtet den Schwab-Stoff an den Erfassbarkeitsrand und fesselt mit formaler Klarheit: Ein delikater Veitstanz in der kleinbürgerlichen Magengrube. (pet/ DER STANDARD, Printausgabe, 17.4.2007)

Kosmos Theater, Wien
Siebensterng. 42
(01) 523 12 26
Mi-Sa bis 28. 4., 20.30 Uhr
  • Eva Maria Neubauer als Mariedl in Werner Schwabs letztem Stück "Antiklimax" im Kosmos Theater.
    foto: kosmostheater/ b. frenzel

    Eva Maria Neubauer als Mariedl in Werner Schwabs letztem Stück "Antiklimax" im Kosmos Theater.

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