"Es gab keinen Druck"

2. Juli 2007, 10:52
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Ludwig Beurle und Karl Büche legten am dritten Prozesstag eindringlich dar, dass der Verkauf an Heineken Mitte Jänner 2003 nicht absehbar gewesen sei

Wien – Wann der mehrheitliche Verkauf der Brau-Beteiligungs-AG (BBAG) definitiv auf Schiene war, darum drehten sich auch am dritten Prozesstag die Einvernahmen im Wiener Straflandesgericht. Gelöchert wurde von Richter Thomas Kreuter einmal mehr Ex-BBAG-Vorstandsmitglied Karl Büche, der nach dem BBAG-Verkauf an den Heineken-Konzern für zwei Jahre in die Chefetage des niederländischen Bierkonzerns aufrückte.

"Ein Palaver"

Laut Büche, für den wie für die 15 anderen wegen Verdachts auf Insiderhandel angeklagten Bierbrauerfamilienmitglieder die Unschuldvermutung gilt, erfolgte die Entscheidung sehr spät, nämlich erst im April. Bis dahin habe sich die Diskussion unter den Kernaktionärsfamilien im Kreis gedreht, weil praktisch alle Varianten der Partnersuche in die Abgabe der österreichischen Mehrheit gemündet hätten, was "niemand wollte". Es sei ein "Palaver von unterschiedlichen Meinungen" gewesen, formulierte Büche salopp.

Die Frage von Staatsanwalt Georg Krakow, warum die Öffentlichkeit von der BBAG erst am 23. Jänner 2003 über den geplanten Verkauf der Mehrheit informiert worden sei, obwohl selbiger dem Grunde nach bereits in der Syndikatssitzung am 26. November 2002 beschlossen worden sei, konnte Büche aus Sicht des Staatsanwalts ebenso wenig schlüssig erklären wie die Frage, warum die Aktionärsvertreter (allesamt Nachkommen traditionsreicher Bierbrauerfamilien) ab Oktober 2002 Vertraulichkeitserklärungen unterschreiben mussten.

"Schlechte Erfahrungen mit Vertraulichkeit"

Er habe mit Vertraulichkeit schlechte Erfahrungen gemacht, verwies Büche auf den öffentlich ausgetragenen Streit mit den Tiroler BBAG-Aktionären Helmut und Thomas Marsoner, die letztlich aus dem Bierimperium ausgekauft wurden. Daher habe er, Büche, gleich zu Beginn der von der Investmentbank JP Morgan unter dem Codenamen "Keg" (engl., das Fass) geführten Partnersuche auf diesen Erklärungen bestanden.

Dass ein BBAG-Verkauf nicht ausgemacht war, versuchte auch Ludwig Beurle, Sprecher des Syndikats und Aufsichtsratspräsident in Getränkeholding (GH), Hopfen&Malz (H&M) und diversen Gesellschaften des verschachtelten Braukonzerns, wortreich darzulegen. "Es gab keinen Druck, glauben Sie mir", betonte Beurle, auch keinen übermächtigen finanziellen, der einen Verkauf notwendig gemacht hätte.

Dies, obwohl die H&M-Kernaktionäre nach dem Rückkauf der Aktienpakete von CA und Oetker-Radeburger und dem Auskauf der Marsoners sozusagen ausgeblutet waren und keine Dividendenzahlungen mehr bekamen, weil Letztere für den Zinsendienst der teils fremdfinanzierten Rückkäufe aufgingen, und die BBAG-Holding (nicht das operative Geschäft) schwer verschuldet war. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.4.2007)

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    Ludwig Beurle (l.), Karl Büche

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