"Nicht zum Versuchskaninchen werden"

16. April 2007, 20:27
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Es mache selten Sinn, Nahrungsergänzungsmittel zu schlucken, sagt Christoph Hörhan vom Fonds Gesundes Österreich

STANDARD: Die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmittel wird oft bezweifelt. Zu Recht ?

Hörhan: Kritisches Hinterfragungen ist gut. Im Fall von Nahrungsergänzungsmittel ist deren Einnahme nur in wenigen Fällen sinnvoll, etwa die Einnahme von Folsäure bei einem Kinderwunsch. Sonst sollte man sich nichts einreden lassen.

STANDARD: Welche Folgen können Überdosierungen haben?

Hörhan: Im Gros der Fälle dürfte nichts passieren. Vorsicht ist trotzdem vor allem dann angebracht, wenn ein Mix aus verschiedene Präparaten oder angereicherten Nahrungsmitteln eingenommen wird. Der Konsument sollte sich auf keinen Fall selbst zum Versuchskaninchen machen. Bei einer Verknüpfung unglücklicher Zufälle kann es nämlich durchaus zu schweren Organschäden kommen.

STANDARD: Zwischen den Bestimmungen in den USA und in Europa gibt es große Unterschiede, was die erlaubte Zusammensetzung betrifft. Mit Blick auf das Internet: Ist das nicht gefährlich?

Hörhan: Hier gilt der Grundsatz: zuerst informieren und erst dann kaufen. Der Fonds Gesundes Österreich hat dafür etwa eine Ernährungs-Hotline eingerichtet, aber auch die Stiftung Warentest oder der Verein für Konsumenteninformation haben entsprechende Infos. Generell wird vor Produkten gewarnt, die ausschließlich im Internet angeboten werden.

STANDARD: Werden dadurch striktere europäische Kontrollvorgaben umgangen?

Hörhan: Der Verdacht ist naheliegend.

STANDARD: Würden neue Qualitätssiegel für Nahrungsergänzungsmitteln Sinn machen ?

Hörhan: Das glaube ich nicht. Die Qualitätskontrolle funktioniert in Österreich sehr gut. Man kann davon ausgehen, dass Produkte, die regulär am Markt sind, auch kontrolliert wurden. Außerdem gibt es bereits viele Siegel und Logos. Noch mehr davon wäre nur unübersichtlich.

STANDARD: Geht man auf Nummer sicher, wenn man Nahrungsergänzungsmittel in der Apotheke kauft?

Hörhan: Es ist nicht die Frage wo, sondern vielmehr was man kauft. Apotheken bieten Beratung, können aber Ernährungswissenschafter und Arzt nicht ersetzen. (Monika Bachhofer, DER STANDARD print, 17.4.2007)

Zur Person:
Christoph Hörhan (31) ist studierter Volkswirt und seit 1. November 2006 Leiter des Fonds Gesundes Österreich
  • Hörhan: Schwere Organschäden sind möglich
    foto: privat

    Hörhan: Schwere Organschäden sind möglich

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