Amokläufer war 23-jähriger Student der Uni

30. April 2007, 09:21
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Motiv weitgehend unklar - Tat war geplant - Österreichische Glock-Pistole als Tatwaffe

Bei dem Amokläufer von Virginia handelt es sich um einen 23-jährigen gebürtigen Südkoreaner. Cho Seung Hui kam mit acht Jahren in die USA. An der Uni in Blacksburg studierte er Englisch, er wohnte in einem Heim auf dem Campus.

Das Motiv des Mordschützen blieb noch weitgehend unklar. In einem mehrseitigen, hasserfüllten Abschiedsbrief, von dem US-Medien berichteten, empörte er sich, so MSNBC, über „rich kids“, „betrügerische Scharlatane“ und ihr „lasterhaftes Leben“, die ihn „dazu getrieben“ hätten. Auch vom Streit mit einer Freundin war in US-Medien die Rede. CNN berichtet, dass er am 7. April beim Schnellfahren erwischt worden sei und deswegen am 23. Mai einen Gerichtstermin hatte.

Glock 19

Chos Leiche sei am Tatort gefunden worden, teilte die Polizei mit. Er soll zwei Pistolen, darunter eine Walther P22 benutzt haben. Der TV-Sender ABC berichtete, dass in Chos Rucksack eine Quittung über den Kauf einer Schusswaffe gefunden wurde. Laut der lokalen Zeitung Roanoke Times soll Cho die Pistole der Marke Glock 19 (ein österreichisches Fabrikat) samt fünfzig 9 mm-Patronen im örtlichen Waffengeschäft vor fünf Wochen gegen Vorlage seines Führerscheins und eines Scheckbuchs erstanden haben. Kaufpreis: 571 Dollar (421 Euro).

Die Bestätigung, dass der Täter ein Südkoreaner ist, löste in China Erleichterung aus. Zuvor war berichtet worden, es könne sich um einen ¬24-jährigen chinesischen Studenten handeln. Hintergrund der chinesischen Betroffenheit war die Tatsache, dass die USA Hauptaufnahmeland für chinesische Studenten geworden sind. In Virginia Tech studieren mehr als 400 chinesische Studenten.

Geplanter Mord

Langsam klärte sich, was in den Morgenstunden des Montags passiert war: Laut Augenzeugen war es weniger ein Amoklauf als ein kaltblütig geplanter Massenmord. Der Mann verübte seine Tat wortlos, in großer Ruhe und geradezu systematisch. Er war offenbar gut vorbereitet und wusste, was er tat. Er ließ seinen Opfern keine Chance zur Flucht und hatte die Türen des Unterrichtsgebäudes, in dem er schießend von Kurs zu Kurs ging, mit Ketten versperrt.

Einem israelischen Professor gelang es, mehreren Studenten das Leben zu retten. Der 75-jährige Liviu Librescu stellte sich dem Schützen in den Weg. Dabei wurde der Mechanikdozent erschossen.

Bushs „Tag der Trauer“

Am Dienstagnachmittag nahm US- Präsident George W. Bush zusammen mit bis zu 30 000 Menschen an einer Trauerfeier an der Technischen Universität von Blacksburg teil. Bush sagte, er und seine Ehefrau Laura seien mit den Herzen voller Trauer gekommen. „Es ist ein Tag der Trauer und Traurigkeit für die gesamte Nation.“ Für viele Menschen sei der blutigste Amoklauf in der Geschichte der US-Universitäten der schlimmste Tag ihres Lebens gewesen. Das Paar nehme „als Vertreter der gesamten Nation“ an der Versammlung teil, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Das Recht auf Waffenbesitz verteidigte der US-Präsident am Dienstag allerdings.

Unter den Persönlichkeiten, die Bush aus aller Welt kondolierten, war auch Bundespräsident Heinz Fischer. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2007)

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