Weniger Katastrophen

13. Juni 2007, 11:31
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Mehr Politik aus Österreich und der Welt, weniger Katastrophen, Wirtschaft und Kultur: erste Mediawatch-Bilanz der neuen "Zeit im Bild"

Mehr Politik aus Österreich und der Welt, weniger Katastrophen, Wirtschaft und Kultur: Mediawatch-Chef Clemens Pig liefert dem STANDARD eine erste Bilanz der neuen "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr.

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Wien - Die meisten Zuschauer stießen sich an den hellen Streifen in den Videowänden der neuen "ZiB". "Wir werden da nachjustieren" sagt TV-Chefredakteur Karl Amon dem Standard. In den Marktanteilen sieht er die neue TV-Info "greifen". Unzufrieden wirkt er nur mit dem Wetter, das er "schrittweise bessern" will.

Die schreibenden Kritiker pendelten zwischen vernünftigen Erklärstrecken in der "Zeit im Bild" und nutzlosem Gehampel vor der Vidiwall. Man kann formal auch fragen, wozu der gerade nicht aktive Moderator des Doppels untätig im Bild bleiben muss.

Der ORF ließ Montag wissen, die Anstalt fand die Performance der gesamten "ZiBs" am Wochenende "ausgezeichnet". Sie meldet 200.000 Zuschauer mehr für die Infosendungen als an Aprilwochenenden 2006. Und 241.000 mehr als im April 2006 auf nun 991.000 in der jüngeren (Werbe-)Zielgruppe von zwölf bis 49 Jahren.

Marktanteil stabil

Der (wetterunabhängige) Marktanteil der Hauptnachrichten um 19.30 Uhr hielt sich über die erste Reformwoche stabil bei 50 bis 51 Prozent; die 48 Prozent vom Sonntag lagen über denen des Osterwochenendes davor.

Was brachte die Reform abseits von Streifen und Quoten? Dem STANDARD lieferte Mediawatch eine erste, punktuelle "Momentaufnahme". So nennt Clemens Pig die erste Bilanz, Manager der Innsbrucker Forschungsgesellschaft im APA-Eigentum.

Die Zahl der Beiträge blieb in etwa gleich bei kürzeren Laufzeiten: Im Jahresschnitt 2006 dauerten sie noch 82 Sekunden, in den ersten Tagen der neuen "ZiB" 68 Sekunden.

Weniger Zeit hat sie auch für O-Töne: 12,3 statt 17,5 Sekunden. Damit nähert sich die "ZiB" ein Stück den US-Werten: Laut Pig dauern die Wortspenden in Nachrichten dort im Schnitt nur noch 8,4 Sekunden.

"Elitenzentrierung"

Zugleich stellt der Mediawatch-Mann eine Tendenz zur "Elitenzentrierung" fest: 66,2 Prozent aller O-Töne kamen in den ersten Tagen von nur fünf Politikern: Norbert Darabos (SP), Wilhelm Molterer (VP), Alfred Gusenbauer (SP), Erwin Buchinger (SP) und Peter Westenthaler (BZÖ). Im Jahresschnitt 2006 kamen die fünf Meistzitierten auf 37,9 Prozent.

Zum Vergleich: In den Nachrichten von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 kommen die fünf redefreudigsten Politiker auf 28 Prozent der O-Töne.

Die Schwerpunkte sind nach so wenigen Tagen ebenso mit Vorsicht zu genießen und hängen naturgemäß auch von der Meldungslage ab. Erste Tendenzen:

Österreichische Politik hatte in der heißen Eurofighterwoche 35,1 Prozent der Sendezeit nach 22 im Vorjahr. Weltpolitik 19,8 Prozent nach 17,9 anno 2006; Kultur 11,3 nach 15,7; Wirtschaft 5,6 nach 9,7; Unfälle/Katastrophen 1,0 nach 5,1 Prozent im Vorjahr; Gesundheit 3,4 nach 1,8; Leute/Lifestyle 1,1 nach 0,4. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 17.4.2007)

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    Mediawatch-Geschäftsführer Clemens Pig

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