Die Wurzeln und die (aktuelle) Krone

2. April 2008, 18:43
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Die deutsche Band The Notwist gibt am Eröffnungsabend des "donaufestivals" ein exklusives Konzert

In seinem Bemühen, die Verdeutlichung von Ursache und Wirkung, von Ursprung und Entwicklung im Pop und seinen Randbereichen zu vermitteln, hat das donaufestivalfür den Eröffnungsabend am Donnerstag dieser Woche neben Künstlern wie Ryoichi Kurokawa, der Kunstband Priestbird, dem Elektronikmusiker Christian Fennesz (siehe Interview oben) auch die deutsche Band The Notwist eingeladen.

Die Ende der 1980er-Jahre im oberbayrischen Weilheim gegründete Band hat ihre musikalischen Wurzeln im vom lauten Gitarren dominierten US-Underground jener Zeit. Ein Umstand, den gemeinsame Tourneen mit Bands wie The Jesus Lizard oder auch der poppigen Punkband Bad Religion verdeutlichten.

The Notwist waren damals eine von vielen langhaarigen, zerrissene Jeanshosen tragende Bands, die sich in wilden Gitarrenexzessen erging. Gleichzeitig pflegte sie einen Pop-Appeal, der sich in einer Neigung zu hübschen Melodien niederschlug, die sich aus all dem angerichteten Lärm abhoben. Siehe auch Bands wie Hüsker Dü, Dinosaur Jr. oder ähnliche Wegbereiter dessen, was kurze Zeit darauf mit Nirvana plötzlich Mainstream-tauglich werden sollte.

Mitte der 1990er fanden dann erstmals elektronische Sounds Eingang in die Arbeit der von Notwist, verantwortet von damals lediglich assoziierten Martin Gretschmann, der bald darauf jedoch Fixmitglied werden sollte.

Kreativ-Pool

Zu jener Zeit orientierten sich auch andere Notwist-Mitglieder Richtung Elektronik und bald sollte The Notwist auch ein Synonym für einen Kreativ-Pool werden, aus dem Formationen wie das einen begnadeten Elektronischen Jazz spielende Tied & Tickled Trio genauso kamen wie später die poppigen Trauerweiden von Lali Puna. Und auch Gretschmann selbst frönte unter dem programmatischen Projektnamen Console höchst erfolgreich rein elektronischer Pop-Musik.

2002 schließlich, die ganz große Aufregung um Elektronische Musik war längst einem gepflegt-routinierten Umgang damit gewichen, der sich vor allem auch wieder in traditionellen Songstrukturen niederschlug, erschien das Notwist-Album Neon Golden.

Es vereinte in sich eine Reihe jener Errungenschaften, die die Bandmitglieder bei diversen Exkursionen und Fremdgängen mit Nebenprojekten generiert hatten – und vermengte sie zu einem schlüssigen und in sich stimmigen Pop-Entwurf, der eine Breitenwirksamkeit erzielte, die The Notwist zuvor verwehrt gewesen war: Neon Golden schoss in Deutschland in die Top-Ten der Album-Charts und erhielt am Jahresende den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Aber hallo! Auch international reüssierte die Band mit dem Album – hat sich seitdem aber eher rar gemacht.

Aktuell sind die grundsympatischen Notwist im uphonStudio und nehmen ein neues Werk auf. Diese Arbeit unterbricht man für zwei Wochen, um ein exklusiv für das donaufestival zusammengestelltes Konzert zu präsentieren. Dass es dabei sowohl um eine Fortsetzung des eingeschlagenen Wegs gehen wird, nämlich gepflegte elektronische Knuspersounds mit zart rockistischer Popmusik zu verschränken, kann man einerseits erwarten. Andererseits haben es sich The Notwist bislang immer versagt, sich zu wiederholen. Kurz: Ein Abend im Zeichen von Ursache, Wirkung und der aktuellen Entwicklung von The Notwist. (Karl Fluch / DER STANDARD, Printausgabe, 17.04.2007)

>> 19.4. donaufestival, Halle 1. ab 20.00
  • Schräge Typen, tolle Musik: Die bayrische Band The Notwist präsentiert am Eröffnungsabend des "donaufestivals" ihren aktuellen "state of the art".
    foto: city slang

    Schräge Typen, tolle Musik: Die bayrische Band The Notwist präsentiert am Eröffnungsabend des "donaufestivals" ihren aktuellen "state of the art".

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