Kollektivvertrag: Text steht, Finanzierung noch offen

12. September 2007, 17:18
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Verhandlungen über Mehrkosten mit Wissenschafts- und Finanzministerium - Neues Karriereschema, durchgängiges Laufbahnmodell, Pensionskassenregelung

Wien - Nach vierjährigen Verhandlungen haben sich Universitäten und Gewerkschaft auf den Text für einen Kollektivvertrag (KV) für Universitätsbedienstete geeinigt. Der Text wurde vergangenen Freitag vom Vorsitzenden des Dachverbands der Universitäten, Rudolf Ardelt, sowie dem stellvertretenden Vorsitzenden der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Wilhelm Gloss, unterzeichnet und heute, Montag, Wissenschaftsminister Johannes Hahn vorgelegt. Mit diesem und dem Finanzministerium soll nun über die Finanzierung verhandelt werden.

Abflachung der Verdienstkurve

Über die Grundzüge des KV hatten sich Gewerkschaft und Dachverband bereits im Februar geeinigt. Mehrkosten gegenüber dem derzeitigen Modell entstehen vor allem durch die im neuen KV vorgesehene Anhebung der Anfangsgehälter bei gleichzeitiger Abflachung der weiteren Verdienstkurve. Im Februar wurden die Mehrkosten auf 30 bis 50 Mio. Euro pro Jahr geschätzt, am Montag wollte sich Dachverbands-Vorsitzender Rudolf Ardelt gegenüber der APA auf keine Zahlen einlassen. Die einzelnen Unis sollen nun bis Mai berechnen, wie viel Geld mehr nötig ist.

Weitere Eckpunkte des KV sind ein neues Karriereschema für das wissenschaftliche Personal, das ein durchgängiges Laufbahnmodell für Uni-Lehrer, einen erweiterten Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer, aber auch die Möglichkeit der Kündigung von Uni-Professoren bei schlechter Evaluierung vorsieht, sowie die Einführung einer betrieblichen Pensionskassenregelung.

Optionsrecht

Auf Grund der Vollrechtsfähigkeit der Universitäten wurden seit dem 1. Jänner 2004 neu eingetretene Mitarbeiter nur nach dem Angestelltenrecht aufgenommen. Für dieses soll der neue KV gelten. Die an den Unis beschäftigten Vertragsbediensteten - und theoretisch auch die Beamten - können in die neue Regelung optieren.

Eine typische wissenschaftliche Karriere in dem neuen Modell könnte dann etwa mit einer Doktorandenstelle beginnen, von der man sich für eine Laufbahnstelle bewerben kann. Damit verbunden ist eine mit der Uni-Leitung abgeschlossene "Qualifikationsvereinbarung": In dieser wird festgelegt, was der Kandidat in einem Zeitraum von bis zu sechs Jahren erreichen muss, etwa den PhD-Grad plus eine bestimmte Anzahl an Publikationen, eine Habilitation, die Entwicklung einer wissenschaftlichen Methode, etc.. Für die Zeit dieser Vereinbarung gibt es eine unbefristete Anstellung als "assistant professor", die Uni verzichtet währenddessen auf die Kündigungsmöglichkeit. Anschließend wird überprüft, ob die Vereinbarung erfüllt wurde: Ist dies nicht der Fall, kann die Universität den Nachwuchswissenschaftler jederzeit kündigen. Bei Erfüllung wird er "associate professor" und damit fix angestellt.

Evaluierung

Die Stelle eines deutlich besser bezahlten "full professors" soll dagegen weiter mit einer Berufung verbunden bleiben. Der "full professor" kann nur nach zweimaliger negativer Evaluierung seiner Lehr- und Forschungsleistungen gekündigt werden. Evaluiert wird spätestens alle fünf Jahre.

Daneben soll es noch eine Schiene für "Systemerhalter", so genannte "Senior Scientists" oder "Senior Artists" geben, etwa Sprachlehrer, Musiklehrer, Laborbetreuer bzw. einen Oberarzt, der keine wissenschaftliche Karriere macht, aber als Spitals-Oberarzt gebraucht wird. Sie sind von der Laufbahnstufe her in etwa mit den Akademikern des allgemeinen Uni-Personals vergleichbar. (APA)

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    foto: uni wien
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