Sigrid Löffler verlässt das "Literarische Quartett"

28. Juli 2000, 22:58

Das ZDF ist enttäuscht

Hamburg/Mainz - Sigrid Löffler wird nicht mehr am "Literarischen Quartett" teilnehmen. Dies teilte sie ZDF-Intendant Dieter Stolte nach Angaben des Senders am Freitagnachmittag per Fax mit. Entgegen ihrer Zusage werde sie nicht an dem für Montag geplanten klärenden Gespräch mit den Mitmoderatoren Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek teilnehmen. Der für die Sendung verantwortliche ZDF-Redakteur, Manfred Eichel, äußerte sich am Freitag enttäuscht.

Bei dem Gespräch unter der Moderation von Stolte sollte der zwischen Löffler und Reich-Ranicki bei der letzten Sendung am 30. Juni ausgebrochene Konflikt ausgeräumt werden. Löffler hatte den erotischen Roman des Japaners Haruki Murakami als "literarisches Fastfood" bezeichnete. Reich-Ranicki warf ihr daraufhin vor, sie habe Probleme mit erotischen Büchern. Die "Bunte" zitierte den 80-jährigen Reich-Ranicki in einem Gespräch nach der Sendung mit den Worten, es sei "eine Qual", mit Frau Löffler zusammenzuarbeiten.

"Wüstes Spektakel"

Stolte zeigte sich von der "plötzlichen Willensänderung" Sigrid Löfflers überrascht und ebenfalls enttäuscht. Die nächste Ausgabe der zwölf Jahre alten Traditionssendung werde dennoch wie vorgesehen am 18. August stattfinden. In der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag-Ausgabe) begründete Löffler ihren Schritt damit, dass die Sendung ein "wüstes Spektakel" und "kaputt" sei.

Löffler schrieb, dass die Sendung zwölf Jahre lang spannend und unterhaltsam gewesen wäre. "Diesen Bogen hat Reich-Ranicki zwölf Jahre lang respektiert. Im dreizehnten Jahr hat er ihn überspannt - und zerbrochen." Sie warf dem "Literaturpapst" unter Hinweis auf sein Gespräch mit der "Bunten" einen "medialen Amoklauf" vor. "Für eine Sendung, in der es allein darum geht, Krach zu machen, stehe ich nicht mehr zur Verfügung."

ZDF-Redakteur Eichel sagte, es werde Anfang der nächsten Woche ein Gespräch mit Reich-Ranicki und Karasek geben. "Wie es weiter geht, ist offen", sagte er. Ein ZDF-Sprecher wollte nicht ausschließen, dass aus dem Quartett vorläufig ein Trio würde. (APA/dpa)

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