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Theater der Grausamkeit

17. April 2007, 15:52
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Rund 25 Jahre nach ihrer "ersten erfüllten Mission", wie Throbbing Gristle das Ende ihrer Band im Jahr 1981 bezeichneten, kommen die vier Gründungsmitglieder wieder zusammen und spielen an zwei Abenden

Zwischen 1976 und 1981 zeugte das britische Quartett von einer für diesen Zeitraum verhältnismäßig großen Fülle an Aktivität. Seither nimmt die Band einen wichtigen Platz in der europäischen Musik ein, trotz der wenigen Alben, die sie in Studios aufgenommen haben. Mit der Gründung ihres Labels "Industrial Records" legten Throbbing Gristle (TG) auch die Grundsteine für den Beginn der Industrial Music.

 

Die vier Mitglieder, die in der Zwischenzeit bei Psychic TV, Coil oder Chris & Cosey spielten, sind nach wie vor dieselben. - Ungewöhnlich, dass sich eine Band nach so langer Zeit in der Originalformation wieder zusammentut, wenngleich sich dadurch ihr klares und determiniertes Denken fortsetzen kann.

TG haben nicht als normale Band begonnen, sondern als Fortsetzung einer Aktionskunstgruppe (COUM Transmissions), durch die sie die Gestalt einer radikalen Live-Band annahmen und für die die Aufnahme von Studioalben nur eine Möglichkeit darstellte. Auch wenn jedes dieser Alben sich immer bis zum Äußersten von dem Vorhergehenden unterschied, so verdanken sie ihren Ruhm in der damaligen Szene den extremen Situationen, die sie während ihrer Konzerte generierten. Jene Auftritte hatten das Ziel, die Zuhörer in eine beinah unausstehliche Situation zu versetzen: Sie wurden mit harten Sounds und Wörtern sowie unerträglichen Bildern konfrontiert. Man sollte fühlen, zu welchen Taten ein menschliches Wesen fähig ist.

Der Gebrauchs von extremen Situationen und Symbolen gepaart mit einem klaren politischen Standpunkt (TG proklamierten sich als Antifaschisten, Antikommunisten, Antimusikindustrie und Antiregierung) um etwas aufzuzeigen, wurde zu einer verbreiteten Attitüde in der Industrial-Bewegung. Was sie dieser Bewegung gegeben hat, hinterfragt aber auch die Angemessenheit einer solchen Vorgehensweise. So kann man überlegen, wo die Grenze zwischen der Denunziation von Horror und die Faszination dafür liegt. Auch wenn TG nicht dafür verantwortlich sind, was danach passiert ist, so liefert die Industrial Szene einen Beweis dafür, wohin die Idee der direkten Konfrontation von Gefühlen mit extremen Symbolen führen kann.

Schon seit Beginn der Industrial Bewegung wurden Symbole historischer Grausamkeiten oder rechtsextremer Gruppen verwendet, um zu schockieren. Eines der Resultate daraus: ein grosser Teil der Industrial-Szene besteht mittlerweile aus faschistoiden Gruppen (die sich natürlich nie klar als solche bezeichnen) – und das schockiert nun niemanden mehr.

Die beiden Konzerte von TG im Rahmen des Donaufestivals geben die Möglichkeit, sich seine eigene Meinung über Fragen wie jene zu bilden – falls die Linie der Band überhaupt gleich geblieben ist. Vielleicht war und ist die wichtigste Aktivität von TG, Polemik zu schaffen und mehr Fragen zu stellen als Antworten zu geben.

Die Protagonisten an beiden Abenden haben auch das Programm dafür zusammengestellt, und Zeitkratzer, Alan Vega, Rechenzentrum, KTL (Steven O’Malley von Sun 0))) & Peter Rehberg), Phill Niblock, Haswell & Hecker und die japanische Band Boredoms eingeladen. (red)

  • Throbbing Gristle
    foto: donaufestival.at

    Throbbing Gristle

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