Kopf des Tages: Wolfdietrich Hoeveler

23. April 2007, 16:52
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Die Stimme des Eurofighters in Österreich

Geht es nach Wolfdietrich Hoeveler, dann hätten sich die letzten beiden Jahre vor seiner Pensionierung etwas ruhiger gestalten können. Der "Vice President Communication" der Eurofighter GmbH fährt gerne Motorrad, schraubt an Miniaturmodellflugzeugen, Schiffchen und Eisenbahnen herum und pflegt mit Hingabe den Garten vor seinem Eckreihenhaus unweit Münchens, das er mit seiner Frau bewohnt. "Ich freue mich auf meinen Ruhestand."

Weil Hoeveler in Österreich aber die Stimme jenes Kampffliegerkonzerns ist, gegen den sich die SPÖ im Dauerabwehrkampf befindet, wurde nichts aus dem sanften Gleitflug in die Pension.

Stattdessen läutet sein Handy (das er übrigens am Tag seiner Pensionierung ersatzlos entsorgen wird) ununterbrochen. Kommenden Mittwoch muss der 58-Jährige als Zeuge im Untersuchungsausschuss in Wien auftreten.

Für viele wird es das erste Mal sein, dass sie den passionierten Flugzeugliebhaber persönlich zu Gesicht bekommen. Denn so vehement Hoeveler die Anliegen seines Konzerns vertritt, so diskret geht er vor. Hoeveler kommuniziert lieber indirekt, über Presseaussendungen und Telefon. Für direktes Lobbying holte sich der ehemalige Offizier der deutschen Luftwaffe, der nach der Wende auf eigenen Wunsch aus dem Dienst ausgeschieden ist, Mittelsleute vor Ort.

Nur einmal lockte ihn Armin Wolf in die "Zeit im Bild 2". Auch dort tat er, was er immer tut: Eurofighter gegen sämtliche im Raum stehende Vorwürfe verteidigen. Weder habe er etwas von dem gesponserten Golfturnier für Bundesheeroffiziere gewusst noch von den Geldflüssen von EADS-Lobbyist Erhard Steiniger an "Airchief" a. D. Erich Wolf. Zahlungen an politische Parteien schloss er kategorisch aus. "Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Ich glaube, meine Rolle wird überschätzt."

Major Hoeveler ist ein Mann von Disziplin, keine Frage. Schnurstracks am Wochenende nach der Matura trat er in den Militärdienst ein. In die Luft durfte er aber nicht, aus gesundheitlichen Gründen. "Das war enttäuschend, aber ich habe mich dann schnell damit abgefunden." Und er kennt das Geschäft. Bevor er 1998 in die Presseabteilung von EADS kam, arbeitete er als Journalist für Magazine, die den Pulsschlag von Jet-Fanatikern erhöhen: der Aerokurier, das Luftwaffenforum, die Flugrevue - dort war er zuletzt Chefredakteur. Sein Sohn landete im gleichen Metier.

Persönliche Emotionen ließ Hoeveler bis dato bloß einmal durchsickern, als er dem profil anvertraute, dass die "schiefe Optik" des gesamten Beschaffungsvorgangs auch ihm "stinke". Ob er die Schuld dafür auch bei sich und seinem Auftraggeber sieht, wird er am Mittwoch im Parlament gewiss gefragt werden.(Barbara Tóth/(DER STANDARD, Printausgabe, 16.04.2007)

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