Fleischlos glücklich

15. April 2007, 19:15
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Die Nachfrage nach Soja- und Tofuprodukten steigt stark an - Mit Infografik

Wien - Der oberösterreichische Nebenerwerbsbauer Reinhart Meyr baut schon seit einigen Jahren Soja an. "Das stellt eine interessante Alternative zu Getreide und Mais dar", sagt er. "Soja hat bei uns einen fixen Platz in der Fruchtfolge."

Auch hinsichtlich der Nachfrage kann er sich nicht beklagen. Meyr beliefert die zur Südburgenland Milch gehörende Mona Naturprodukte GmbH. Diese hat sich vor ein paar Jahren der Produktion von Sojaprodukten verschrieben und beliefert unter der Marke Joya den Handel etwa mit Soja-Drinks und Shakes. In der Molkerei Oberwart werden jährlich rund 700.000 Liter Drinks abgefüllt.

60.000 Tonnen geerntet

Gemessen am Umsatz, wächst der Sojamarkt mitsamt den Folgeprodukten wie Tofu in Österreich jährlich um rund 25 Prozent. Rund 60.000 Tonnen Soja werden mittlerweile in Österreich geerntet. Immerhin zwei Prozent der heimischen Äcker werden mit Sojabohnen bepflanzt.

Die Gründe für den Schub sind vielfältig und haben mit Einstellungen ebenso zu tun wie mit Gesundheitsüberlegungen. Besonders Vegetarier nehmen die an Eiweiß reiche Bohne (oder Produkte daraus) gerne in ihren Speiseplan auf. Rund 240.000 Menschen ernähren sich in Österreich Schätzungen zufolge fleischlos. Nachfrage kommt auch von Personen, die auf Cholesterin- oder Laktosefreiheit bei ihrer Ernährung achten müssen. Außerdem ist Tofu eine schlanke Alternative bei übermäßigem Fleischkonsum.

"Kurze Wege"

Zu diesen Argumenten gestellt sich seit der Diskussion um Umwelt- und Klimaschutz ein weiteres: Soja und Tofu sind politisch korrekt: "Pflanzliche Produkte sind um den Faktor zehn weniger klimaschädlich als Fleisch und um den Faktor fünf weniger als Milchprodukte", erläutert dazu Matthias Krön, Chef der Mona-Gruppe.

In anderen Worten: Während für die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch rund zehn Kilo Getreide benötigt werden, lassen sich aus einem Kilo Soja zwei Kilo Tofu oder sieben Liter Sojamilch herstellen. Außerdem, betont Bauer Meyr: "Heimisches Soja hat nur kurze Transportwege."

Ans Klima angepasst

Das Gros an Soja, das in Österreich zumeist als Tierfutter zum Einsatz kommt, ist aus Übersee importiert und gentechnisch verändert. Die Hersteller von Sojaprodukten für den menschlichen Verzehr verwenden hingegen durch die Bank österreichisches, gentechnikfreies Soja.

In diesem Geschäft hat sich etwa die Saatgut Linz etabliert, die den Bauern Sojabohnenkeimlinge zur Verfügung stellt, aus denen der Bauer sein eigenes Saatgut züchten kann. Dazu wurde eine Sojabohne gezüchtet, für die das österreichische Klima ideal ist. Angebaut wird sie primär im Burgenland und in Oberösterreich. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4.2007)

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