Viel Schweiß, wenig Gefühl

16. April 2007, 12:48
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Die britischen New-Wave-Rocker Maximo Park gastierten am Wochenende in Wien, interessanter war jedoch die steirische Vorband

Maximo Park begeisterte zwar das temposüchtige Publikum, die interessantere Darbietung gab Killed By 9 Volt Batteries.


Wien - Paul Smith gibt - wie man so schön sagt - Gas. Und zwar von der ersten Sekunde an. Und man wundert sich angesichts seiner die gesamte Bühne aufgeregt durchmessenden Performance, dass die seltsame Melone, die der bekennende Stanley-Kubrick-Fan (Stichwort: Clockwork Orange) auf dem Kopf trägt, über die ganze Konzertdistanz auch hält.

Smith ist Sänger bei der Band Maximo Park. Einer jener die letzten Pop-Jahre dominierenden britischen Formationen, die mit einer anhaltenden Gedenkfeier bezüglich der ästhetischen Errungenschaften von Frühachtzigerjahre-Bands wie XTC oder den demnächst das Kremser donaufestival bespielenden Gang Of Four Furore machten und machen. Neuzeitlicher formuliert: Franz Ferdinand und die Folgen.

Wie ihre mittlerweile weltberühmten schottischen Kollegen spielen Maximo Park zackigen, kantigen Rock aus dem New-Wave-Zeitalter, den eine potenzielle Tanzbarkeit auszeichnet und der mit der Energie des Punk vermittelt wird. Das Debüt von Maximo Park, A Certain Trigger von 2005, belegte das eindrucksvoll, und auch das jetzt erschienene Folgewerk Our Earthly Pleasures überzeugt mit noch eingängigeren, mehr an die Poppigkeit von besagten XTC angelehnten Songs.

Doch bei all dem Druck und dem Tempo, das die Band auf der Bühne des seit Wochen restlos ausverkauften Wiener WUK am Wochenende erzeugte, gingen die gleichermaßen reizvollen wie dringend notwendigen Profile der Songs weit gehend verloren. In weniger atemlosen Stücken, wie etwa Karaoke Plays gelang der Band der Zusammenhang von Schweiß und Gefühl, die Balance zwischen Live-Intensität und Werktreue - und auch bei einigen schon länger im Programm befindlichen Songs wie Apply Some Pressure.

Fun-Punk-Alarm!

Ansonsten verkam die Darbietung jedoch bald zu einem gleichförmigen Einheitsbrei, wie man ihn von den Fun-Punk-Bands dieser Welt kennt, deren "Qualität" sich vor allem darin begründet, dass man auch mit einem Doppler burgenländischen Heckenkleschers im System noch weit gehend fehlerfrei mitgrölen kann. Siehe auch akute Stromlinien-Langeweiler wie die Beatsteaks, Mando Diao, The Fratellis und andere mehr: links rein, rechts wieder raus. Was bleibt: Bestenfalls ein schweißnasses T-Shirt - aber das zählt manchmal eben auch.

Die wirklichen Bringer des Abends waren Killed By 9 Volt Batteries. Die Formation aus dem steirischen Weiz trat als Vorband an und überzeugte nach einem statischen Beginn mit einem anderen, noch nicht so mehrheitsfähigen Revival, dem des Noise-Rock von Bands wie Sonic Youth oder den frühen Pavement.

Also einer Musik, die kurz vor der von Nirvana ausgelösten Explosion seine spannendste und qualitativ überzeugendste Ära erlebte und die die Batteries hier im WUK mit dynamischen Brüchen, einer getriebenen Spielart und Hingabe präsentierten, die letztlich mehr Eindruck hinterlässt als der so genannte Hauptact. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4.2007)

  • Paul Smith von Maximo Park: Die Balance von Tempo und Werktreue stimmte nur selten.
    foto: standard / newald

    Paul Smith von Maximo Park: Die Balance von Tempo und Werktreue stimmte nur selten.

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