"Ohne Fonds wären wir längst tot"

30. April 2007, 21:01
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Der Chef der deutschen Moeller-Gruppe, der Österreicher Theo Kubat, hält im STANDARD-Interview große Stücke auf Finanzinvestoren als Eigentümer

Seine eigenen Erfahrungen damit schilderte der Österreicher Renate Graber.

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STANDARD: Als Chef der deutschen Moeller Holding und ihrem Gewinnbringer im niederösterreichischen Schrems haben Sie viele Eigentümer erlebt: Börse, Familie, US-Fonds Advent, britischer Fonds Doughty Hanson. Wie fühlt man sich im Besitz von "Heuschrecken"?

Kubat: Diese Bezeichnung halte ich für völlig falsch. Ohne diese Fonds wären wir von Moeller schon längst tot. 1998 hat die Familie Moeller Felten&Guilleaume gekauft, dann setzte es Verluste, die Familie suchte fast zwei Jahre einen Käufer. Ende 2003 ist dann der US-Fonds Advent eingestiegen, der etwa die Pensionen der Mitarbeiter von Coca-Cola oder der Stadt New York verwaltet. Die Amerikaner haben im September 2005 an die britische Private-Equity-Gesellschaft Doughty Hanson 75 Prozent verkauft. Zehn Prozent halten wir vom Management, 15 Prozent die Amerikaner, quasi als Signal dafür, dass sie an das Unternehmen glauben und weiterhin Risiko nehmen.

STANDARD: Wie lief es unter den Amerikanern?

Kubat: Sie haben der Familie eine ganz kleine Abfindung gezahlt und uns die Finanzierung der Restrukturierung garantiert. Wir mussten ja 3500 Leute aus dem Unternehmen rausbringen, 1500 davon wirklich kündigen. Das war teuer, das Geld dafür haben wir von Advent bekommen, und sie haben ihre Expertise zum Working Capital und zum Cash-Management eingebracht. Das war's. Es ist uns schnell gelungen, wieder in die Gewinnzone zu kommen.

STANDARD: Advent ist nicht einmal zwei Jahre geblieben. War das von Anfang an klar für Sie?

Kubat: Definitiv wird so etwas nie ausgesprochen, aber die Faustregel ist, dass Finanzinvestoren drei bis sieben Jahre bleiben. Den Investoren geht es um die Wertsteigerung beim Exit - was sich am Beispiel Advent beweisen lässt. Weder die Amerikaner noch die Briten nahmen je Dividenden aus dem Unternehmen.

STANDARD: Wie viel hat Advent am Verkauf verdient?

Kubat: Genau darf ich Ihnen das nicht sagen, aber sie haben Moeller um 1,1 Milliarden Euro brutto an die Briten verkauft - und damit einen sehr guten Deal gemacht.

STANDARD: Was sagen Sie zum missglückten Einstiegsversuch des Fonds CVC bei Böhler?

Kubat: Lassen Sie mich so sagen: Wir haben mit vielen Finanzinvestoren gesprochen, aber bei allen war eines klar - ein "unfriedly takeover" war für alle ausgeschlossen, wenn das Management nicht dabei ist, ziehen sich Finanzinvestoren sofort zurück. Allein das ist doch schon ein klares Signal dafür, dass solche Investoren immer zum Management und zum Unternehmen stehen. Aus meiner Sicht ist es eine Ehre, wenn sich jemand wie CVC für Böhler-Uddeholm interessiert. Die investieren ihr Geld doch nur dort, wo sie relativ gesichert eine vernünftige Rendite bekommen.

STANDARD: Sie selbst haben alles erlebt: Börsenaktionäre, Familie und jetzt Fonds. Worin besteht der größte Unterschied?

Kubat: Die Familie war fast unberechenbar, einmal redete der Sohn drein, einmal der Vater. Das tun unsere Finanzinvestoren gar nicht. Operativ ist niemand von den Briten in der Geschäftsführung aktiv, nur im Gesellschafterbeirat sind zwei Briten und ein Amerikaner vertreten, und ein Österreicher.

STANDARD: Gar kein Nachteil, in der Hand von Fonds?

Kubat: Mir fällt keiner ein. Bei einem Finanzinvestor weiß man von Haus aus, dass er wieder aussteigt, damit muss man leben. Bei einem börsennotierten oder Familienunternehmen ist das nicht so. Da kommt der Ausstieg überraschend, irgendwann. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.4.2007)

Zur Person
Theo Kubat (58) ist seit 2003 Chef der Bonner Moeller Holding, die Komponenten für die Energieverteilung und Automation erzeugt. 1990 kam er als Controller zu Felten&Guilleaume in Schrems, baute den Markt Tschechien auf, wurde 1995 Chef der Österreich-Tochter. Diese (1400 Mitarbeiter) führt er heute noch.
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