Der Sommer fördert den Kreislauf der Pharmazie

28. Juli 2000, 19:11

Effortil: Mit einem Marktanteil von 30 Prozent mit Abstand Nummer eins unter den Kreislauftropfen


Leo Szemeliker

SOMMERPRODUKTE - ARCHIV
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"Kaffee wirkt natürlich auch. Aber nicht so lange." Deswegen hätten Kreislauftropfen "eine starke Saisonalität" im Sommer, sagt Roman Petsche, Marketing- und Verkaufschef der Österreich-Niederlassung des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim.

Das deutsche Unternehmen produziert seit Jahrzehnten das prototypische Mittel gegen niedrigen Blutdruck: Effortil, laut Petsche mit einem Marktanteil von dreißig Prozent die Nummer eins im bei den Anti-Hypotonie-Produkten. Mit 47 Mio. S Größe ist der Markt zwar eher klein, angesichts der 23 Mrd. S, die in Österreich mit Pharmazieprodukten umgesetzt werden (gerechnet zu Fabriksabgabepreisen). Etwas über 16 Mrd. davon laufen übrigens über den Vertriebskanal Apotheke, der Rest über Spitäler und Ärzte.

900.000 Packungen Effortil - Tropfen oder Tabletten - werden pro Jahr von den Ärzten verschrieben. Manche Apotheken, so berichten einige - vor allem weibliche - Effortil-Heavy-User geben das Präparat auch ohne Rezept her. Dadurch, dass es seit Ewigkeiten am Markt ist, traut man sich das.

Andere gängige Mittel, die oft verschrieben werden, sind laut Ärztekammer beispielsweise Carnigen des französisch-deutschen Aventis-Konzerns (ehemals Hoechst und Rhone-Poulenc) oder Novadral von Warner Lambert Pfizer.

Laienhaft erklärt, verengen die Wirkstoffe in Effortil die Blutgefäße und erhöhen so den Blutdruck. Es gibt Menschen, die verwenden das Präparat zwölf Monate hindurch, manche nur im Sommer, wenn die Hitze drückt. Insgesamt sei der Markt der Anti-Hypotonie rückläufig, so Petsche im STANDARD-Gespräch. Der Grund dafür? "Die Menschen machen wieder mehr Sport."

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    foto: cremer
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