Waldviertler Telefongespenster

13. April 2007, 20:53
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Frau Ingrisch setzt sich einfach hin - und extemporiert jeden "Talkmaster" an die Wand

Wieso Lotte Ingrisch noch nie bei Helmut Zilk oder Vera auf die Couch gesetzt worden ist, ist eigentlich klar: Während sich andere - Selbstdarsteller, Drehbuchautoren und ganze Kohorten von Gagschreibern - unter Mühen und Qualen Halblustiges, mäßig Originelles, selten wirklich Unterhaltsames, aber dafür meist ohnehin schon sattsam Bekanntes abringen, setzt sich Frau Ingrisch einfach hin - und extemporiert jeden "Talkmaster" an die Wand. Denn sogar dann, wenn man keinen Millimeter von dem, was Gottfried von Einems Witwe über Geister und deren Welt von sich gibt, ernst nimmt (was Frau Ingrisch betrübt), ist es doch höchst unterhaltsam, ihr zuzuhören: Donnerstagabend stellte Ingrisch im Naturhistorischen Museum ihr neues Buch ("Eine Reise in das Zwielichtland - Im Waldviertel und anderswo", Amalthea) vor.

Und erklärte ausführlich, wie und wo sie schon auf dieses "Anderswo" getroffen war. Etwa am Telefon: "Eva Maria, eine Bardame aus Berlin, die Selbstmord begangen hatte, hat lange bei uns angerufen. Immer in der Nacht. Und nur in Rindlberg. Ich bin es ja nicht gewohnt, mit Toten zu telefonieren - darum stand eine Schnapsflasche beim Telefon." Aber nicht einmal der Kontakt mit Telefongeistern währt ewig: "Eva Maria ruft nicht mehr an. Sie geht mir ab." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD print,14.4.2007)

  • Jenny Pippal ist kein Geist - und kam zu Ingrisch
    f.: verlag

    Jenny Pippal ist kein Geist - und kam zu Ingrisch

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