der schönste Tag der Woche: Joyce, Beckett und die Zahl 13

7. April 2007, 00:00
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Obwohl ich nicht sehr abergläubisch bin, verstehe ich nach der Lektüre einer Zeitschrift wie Der 13. , dass gewisse Menschen dieser Zahl skeptisch gegenüberstehen

An jedem 13. eines Monats erscheint in Rohrbach in Oberösterreich eine Zeitschrift, die sich schlicht und ergreifend Der 13. nennt.

Untertitel: "Römisch-Katholisch". Es handelt sich dabei um das Kampfblatt jener katholischen Fundamentalisten, denen Kardinal Schönborn zu liberal ist und die in Engelbert Dollfuß einen "überzeugten Katholiken" sehen, der "um Österreichs willen in den Tod gegangen ist". Kein Wunder also, dass man über Ewald Stadlers "beste Beziehungen" zur "Priesterbruderschaft St. Pius X." nur anerkennende Worte findet, während man gleichzeitig über Bruno Kreisky schreibt:

"Als Hitler kam, hatte er sich abgesetzt nach Schweden, um seiner ‚Abtreibung‘ zu entgehen und sein Leben zu erhalten." Finster, finster.

Obwohl ich nicht sehr abergläubisch bin, verstehe ich nach der Lektüre einer Zeitschrift wie Der 13. , dass gewisse Menschen der Zahl 13 skeptisch gegenüberstehen. Bei James Joyce zum Beispiel konnte es vorkommen, dass er sich an einem 13. in einem Kasten (in Deutschland Schrank genannt) versteckte, und wenn es an einem solchen Tag auch noch donnerte und blitzte, dann fiel er auch schon mal in Ohnmacht.

Kein Wunder also, dass für Joyce das Jahr 1921 von vornherein zum Wegschmeißen war. Zählen Sie die Quersumme dieser Jahreszahl zusammen, und Sie wissen warum. Dasselbe galt für das Jahr 1903 (1+9+0+3=13), in dem seine Mutter ausgerechnet am 13. August starb. Dass Joyce ebenfalls an einem 13. sterben sollte, ist vor diesem Hintergrund natürlich besonders tragisch – oder auch komisch, je nachdem von welcher Seite aus man das Ganze betrachtet.

Im Gegensatz zu James Joyce war sein Landsmann Samuel Beckett zeit seines Lebens stolz darauf, am Freitag, dem 13. April 1906, geboren worden zu sein, und zwar am Karfreitag, wie er immer wieder betonte.

Erheben wir also aus Anlass von Becketts 101. Geburtstag unser Glas auf den Jubilar, der trotz der Tatsache, dass er an einem "Unglückstag" geboren wurde, eigentlich ein rechtes Glückskind war. Nicht nur dass er als einer von vier irischen Schriftstellern den Literaturnobelpreis erhielt (James Joyce war nicht darunter), schrieb er mit Warten auf Godot auch eines der wichtigsten Stücke des 20. Jahrhunderts. Was insofern bemerkenswert ist, als sich dieses Stück heute liest wie eine von der Krankenkasse verschriebene Schlaftablette in Buchform. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. In Becketts Klassiker warten also Estragon und Wladimir auf Godot, der nicht und nicht kommen will. Mir geht es ähnlich, nur dass ich seit zehn Tagen auf einen Brief warte, der in Hallwang-Elixhausen aufgegeben wurde und der ebenfalls nicht ankommen will. Der zuständige Postbeamte in Wien tröstet mich mit dem Hinweis, dass ja noch Hoffnung bestünde.

Das sehe ich auch so, allerdings nur, wenn der Briefträger den Brief gerade auf dem Jakobsweg von Hallwang nach Wien transportiert. Dann müsste er in zwei Tagen hier eintreffen. "Das wäre wundervoll, ja, wundervoll." (Warten auf Godot, S. 92) (Kurt Palm/ ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.04.2007)

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  • Kurt Palm
    foto: michaela mandel

    Kurt Palm

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