SAP will sich nicht zu Zukäufen drängen lassen

22. April 2007, 16:06
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Zwei Drittel aller Fusionen und Zukäufe brächten letztlich nicht die erhofften Ergebnisse

Der weltgrößte Firmensoftware-Hersteller SAP will sich nicht zu Zukäufen drängen lassen. "Seien Sie versichert, dass wir uns nicht von ungeduldigen Marktteilnehmern nervös machen lassen, sondern weiter auf die erfolgreiche Strategie des organischen Wachstums setzen", sagte der stellvertretende Vorstandssprecher und Vertriebschef Leo Apotheker der deutschen Wochenzeitung "Euro am Sonntag" laut Vorabmeldung.

Investitionen in neue Produkte

SAP habe in seiner 35-jährigen Firmengeschichte bewiesen, dass sich Investitionen in neue Produkte lohnten und sich dadurch Marktanteile gewinnen ließen.

SAP baut seit Quartalen seinen weltweiten Marktanteil bei Unternehmenssoftware aus und vergrößert damit den Vorsprung zum US-Wettbewerber Oracle, der sich mit milliardenschweren Zukäufen in die SAP-Domäne eingekauft hat. SAP lehnt diese Strategie ab und steckt statt dessen viel Geld in die Software-Entwicklung. Mit kleineren Akquisitionen kauft jedoch SAP auch Technologie zu, wenn die Eigenentwicklung länger dauert. SAP reklamiert einen Weltmarktanteil von 24 Prozent für sich, Oracle kommt den bislang unwidersprochenen Angaben zufolge gerade noch auf einen Anteil von neun Prozent.

Belohnung

Der Finanzmarkt belohnt seit längerem die Strategie des mit Datenbanken groß gewordenen Konkurrenten Oracle. Die SAP-Aktien hinken der Kursentwicklung der Oracle-Papiere deshalb deutlich hinterher. Seit Jahresfrist beträgt der Rückstand gut 30 Prozent, allein seit Jänner sind es 17 Prozent.

SAP-Vertriebschef Apotheker will dennoch von großen Zukäufen nichts wissen und die zuletzt mit 3,3 Mrd. Euro prall Unternehmenskasse geschlossen halten. "Seit einiger Zeit bewerten Aktienmärkte Akquisitionen höher als Investitionen ins eigene Unternehmen", sagte der 1988 zu SAP gestoßene Manager. "Ich glaube, das ist ein Irrtum." Zwei Drittel aller Fusionen und Zukäufe brächten letztlich nicht die erhofften Ergebnisse. "Und ich glaube, bei allem Respekt, Oracle wird langsam aber sicher eine Wartungsfirma", kritisierte Apotheker. "Oracle kauft Konkurrenten auf und hofft, dadurch wenigstens kleine Wachstumsschübe zu bekommen - das ist nicht besonders innovativ."

Jahrestief

Am Donnerstag erholten sich die SAP-Papiere nach einer Kaufempfehlung weiter von ihrem kürzlich markierten Jahrestief und kletterten um vier Prozent auf 35,77 Euro. Die Investmentbank Merrill Lynch legte das Kurziel die SAP-Papiere auf 57,50 Euro fest. Orcale-Papiere verteuerten sich in Frankfurt um 0,4 Prozent auf 13,90 Euro. Das Unternehmen gab in der Nacht zum Freitag bekannt, dass nun Aktienrückkäufe bis zu 4,7 Mrd. Dollar (3,49 Mrd. Euro) erlaubt seien. Damit könnte Oracle vier Mrd. Dollar mehr als bisher für den Kauf eigener Aktien ausgeben. Aktienrückkäufe wirken sich tendenziell kurssteigernd aus, die dabei erworbenen Aktien können eingezogen oder für Zukäufe genutzt werden. (APA/Reuters)

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