"Mein Rollstuhl relativiert so manches aktuelle Problem"

von Redaktion  |  14. April 2007, 17:00
  • Artikelbild: Wirtschaftsinformatiker Michael Sauer nahm die Entwicklung vom IT-Leiter zum Coach für Führungskräfte. "Success trotz Handicap" lebt er vor. - foto: priviat

    Wirtschaftsinformatiker Michael Sauer nahm die Entwicklung vom IT-Leiter zum Coach für Führungskräfte. "Success trotz Handicap" lebt er vor.

Michael Sicher ist Rollstuhlfahrer und Führungskräfte-Coach. Mit "Success trotz Handicap" hat er ein Forum geschaffen, das Behinderte mit Personalisten vernetzt

Ein "Schlüsselerlebnis" für ihn war zuletzt der neue Rollstuhl mit nach oben verstellbarer Sitzhöhe: "Eine ganz neue Perspektive, weil Rollstuhlfahrer mit anderen praktisch nie auf Augenhöhe kommunizieren können."

Michael Sicher ist selbstständiger Coach in Wien, seine Firma heißt "Busypeoplecoaching". Warum Führungskräfte gern zu ihm kommen? "Mein Rollstuhl relativiert vielleicht manche aktuellen Probleme in diesen Berufen", vermutet er. Aktuelle Themen seiner Klienten seien Job- und Midlife-Krisen, häufig auch die Problemstellungen "neuer Chefs" für "alte" Teams.

Coach ist er aus purem Interesse geworden, die diversen Ausbildungen hätten ihn sehr bereichert, sagt Sicher, der zuerst bei einem Internet-Serviceprovider und dann bei lion.cc als IT-Leiter mit 30 Mitarbeitern tätig war. Eingetragener Mediator ist er auch, und als studierter Wirtschaftsinformatiker bleibt er als IT-Consulter seiner alten Branche treu. "Von einer Sache abhängig sein ist nicht gut", lacht er.

Obwohl: Natürlich kennt er die Probleme mit dem Behinderteneinstellungsgesetz, natürlich kennt er die Vorbehalte von Unternehmen und ihre Ängste, "Behinderte dann nie wieder loszuwerden".

Eine Lösung dafür hat er auch nicht, am ehesten, meint Sicher, lassen sich diese Vorurteile "hart" entkräften, also: freie Dienstverträge. Aber, weiß er aus seinen Umfragen, die er unermüdlich bei Personalchefs via Internetplattform Xing (open BC) macht: Es liegt tiefer – die Menschen denken, dass Behinderte entweder zu Hause oder in einer Behindertenwerkstatt sitzen (sollen). Auf Xing hat er das Forum "Success trotz Handicap" mit derzeit 131 Mitgliedern, überwiegend Betroffenen, ins Leben gerufen.

Sicher: "Eigentlich geht es immer nur um die Chance, dass Behinderte zeigen können, dass sie gut sind." Deswegen schafft er unentwegt Kontakt zu Personalverantwortlichen und versucht ruhelos, Betroffene sichtbar zu machen. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 14./15.4.2007)

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Management Quatscher
13.04.2007 19:36

Ich hab zwar mit dem Coaching meine Probleme, wünsche ihm aber trotzdem alles Gute.

Dass er versucht Kontakte zu knüpfen und sich dafür einsetzt, dass "Behinderte" auch eine Chance auf Arbeit bekommen, finde ich schwer in Ordnung.

Gegen die dummen Vorurteile der HR-Kasperln (nicht leistungsfähig, dauernd krank, wir sind ja ein jung-dynamisches Team, Behinderte können nie mehr gekündigt werden, ....) gilt es anzukämpfen.

Karlgaard
13.04.2007 23:14

es ist kein vorurteil, dass behinderte arbeitnehmer nur nach zustimmung des sozialamtes gekündigt werden dürfen, es ist ein gesetz. behinderteneinstellungsgesetz, um genau zu sein. wie wollen sie gegen dieses "vorurteil" ankämpfen? augen zu, ohren zu?

mazunte
14.04.2007 13:03
ad erhöhtem kündigungsschutz....

ad erhöhter kündigungsschutz....
Im Jahr 2005 wurden bundesweit 524 Anträge auf Zustimmung zur Kündigung von Menschen mit Behinderung gestellt:

Lediglich 31 davon (5,9%) wurden abgewiesen....

Soviel zum "Gespenst", das nach wie vor durch Österreichs Wirtschaft geistert...

Karlgaard
14.04.2007 19:41

und bei wievielen entschied sich der arbeitgeber auf druck des sozialamtes die kündigung zurück zu ziehen, weil sie ohnedies aussichtlos war?

Bimbulli
14.04.2007 10:40
Nicht vergessen

dass Dienstgeber jedwede Förderung der öffentlichen Hand bekommen, wenn sie sog. "Begünstige Behinderte " einstellen, sodass diese fast keine Kosten verursachen, hackel tun sie aber wie "die G'sunden" wie man aus Erfahrung weiß.

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