Eine Frage der Zeit

26. April 2007, 21:14
14 Postings

Am Sonntag dreht sich wieder vieles um den McLaren-Piloten Lewis Hamilton, den Dritten von Australien und Zweiten von Malaysia

Bahrain - "Für mich bedeutet es nicht so viel, der erste Farbige zu sein, für den Sport aber wohl eine ganze Menge." Lewis Hamilton sagte das, als er dem erlesenen Zirkel der Formel-1-Piloten noch gar nicht angehörte, aber den Kundigen und vor allem ihm selbst schon klar war, dass es bald soweit sein wird, so schnurgerade ging er seinen Weg. Den ersten wichtigen Schritt tat er, als er vor elf Jahren bei einer Motorsport-Gala zum ersten Mal Ron Dennis sah, den Chef des McLaren-Teams, ihn nicht nur um ein Autogramm bat, sondern bei der Gelegenheit auch gleich frug, ob er nicht irgendwann einmal für ihn fahren dürfe.

Dennis spendierte dem Buben nicht nur ein Autogramm, sondern schrieb auch dazu, dass sich Lewis in neun Jahren wieder an ihn wenden solle und hinterließ ihm seine Telefonnummer. "Ich habe ihn für sein Selbstbewusstsein bewundert", erinnert sich Dennis vor allem deshalb an diese Begebenheit, weil keine neun Jahre verstreichen sollten, ehe sie sich wiedersahen, sondern nur drei. Denn nachdem Hamilton dreimal en suite die britische Kart-Meisterschaft gewonnen hatte, wurde er von Dennis angerufen, welcher ihn einlud, beim Nachwuchsprogramm von McLaren und Partner Mercedes mitzumachen. Fortan gewann Lewis in allen möglichen Kategorien des Motorsports, 2000 wurde er Weltmeister im Kart, vor zwei Jahren holte er sich überlegen die europäische Formel-3-Meisterschaft, im Vorjahr die GP2, die Vorstufe der Formel 1.

Die Langzeitstrategie

Im September bot ihm Dennis, der für eines seiner Autos schon frühzeitig Weltmeister Fernando Alonso verpflichtet hatte, das zweite Cockpit an. Naturgemäß sagte Lewis: "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen." Dennis: "Er ist ein ganz wichtiger Teil unserer Langzeit-Strategie." Bei Testfahrten im Jänner in Valencia flog die Langzeitstrategie bei hohem Tempo von der Strecke und zerstörte ihren McLaren. Das brachte Dennis freilich nicht von seiner Meinung ab: "Wir könnten uns keinen entschlosseneren und ausgeglicheneren Fahrer wünschen." Bei seinem Debüt in Australien fuhr der 22-jährige Engländer rundenlang vor seinem spanischen Kollegen Alonso, um am Ende hinter diesem Dritter zu werden, in Malaysia belegte er hinter dem Weltmeister Rang zwei. McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh über Hamilton: "Er wird Weltmeister werden, es ist nur eine Frage der Zeit." Alonso: "Hoffentlich bleibt die interne Konkurrenz die ganze Saison so gut." Hamilton: "In erster Linie geht es um das Team."

Lewis Hamilton, dessen Großeltern aus Grenada stammen, und dessen Vater Anthony nicht nur bei der Eisenbahn werkte, sondern auch Nebenjobs annahm, um die kostspielige Leidenschaft seines Sprösslings zu finanzieren, hat keine der beiden Strecken gekannt, auf denen er aufs Podest fuhr. Nun steht der GP von Bahrain in Manama an, und diesen Kurs kennt Hamilton, der vom Papa gemanagt wird. Er gewann dort 2004 in einem Dallara Mercedes die Super Prix der Formel 3. (bez, DER STANDARD Printausgabe 13.04.2007)

  • Lewis Hamilton bestritt zwei 
Formel-1-Rennen und schmückte zweimal das Podest.

    Lewis Hamilton bestritt zwei Formel-1-Rennen und schmückte zweimal das Podest.

Share if you care.