Akustische Lobpreisungen

12. April 2007, 18:37
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Divna Ljubojevic und ihr Chor "Melodi" erinnern an die Gesänge der Ostkirche

Ob man nun dem Glauben zugeneigt ist oder nicht – es ist schwer vorstellbar, dass der Charme zeitlich recht ferner geistlicher Gesänge der Christenheit seine Wirkung aufs Gemüt verfehlen könnte. Das ließ sich etwa verifizieren, als vor ein paar Jahren ein kommerzieller Zufall plötzlich Mönchsgesänge in die Hitparaden spülte; ihr klarer, flächiger Sound ließ sich als friedlicher akustischer Meditationsraum verstehen und – falls erwünscht – wohl zur Stressbewältigung einsetzen, auch wenn man sich den Lobpreisungen des Allmächtigen nicht anschließen mochte.

Diese geistliche Musik ist aber eine mit doppeltem Boden. Man kann ihre Oberfläche konsumieren oder sich auch in sie vertiefen, wenn man etwa die Wurzeln der Mehrstimmigkeit, die im Barock ihre finale Blüte erlangte, studieren möchte.

Zweifellos wird Divna Ljubojevic für den vertiefenden Zugang plädieren, der 1970 in Belgrad geborenen Sängerin und Chorleiterin ist zudem auch die inhaltliche Botschaft ein Anliegen. Sie singt seit frühester Jugend. Dass sie ihre Existenz der geistlichen Musik der Ostkirche widmet, hängt aber mit einem Erlebnis im Kloster Vevedenje zusammen. Ebendort wurde sie, damals zehn Jahre alt, von Schwester Agnja, selbst Sängerin, gehört. Diese fand, dass Divnas Stimme etwas Besonderes habe und zu fördern wäre. Divna wurde eingeladen, mit den Nonnen des Klosters zu singen, wodurch "für das junge Mädchen ein Traum in Erfüllung ging", so Divna.

Sie verweilte allerdings nicht im Kloster. Vielmehr entfaltete sie auch organisatorisches Talent und wurde mit 17 Jahren Dirigentin des traditionsreichen Mokranjac-Chors. Später gründete sie "Melodi", ihr eigenes Ensemble, mit dem sie eine beachtliche Karriere startete. Hört man in die CDs Mystères byzantins oder Lumières du chant byzantin rein, versteht man, dass die Arbeit von Divna und Freunden für ihren noblen Sound und die Balance der Stimmen gerühmt wird. Und dass auch die helle juvenile Stimme Divnas als delikat bezeichnet wird.

Einmal erhebt sie sich über tiefe, düstere Ostinati, dann wieder verschmilzt sie mit anderen Stimmen zu einem ganz typischen Unisono. Und da und dort geht es auch raffiniert polyfon zu. Klar: Sie zu belauschen ist auch eine erhellende Reise zu den Wurzeln der abendländischen Musik. Schließlich blieb die westliche Gregorianik nicht unbeeindruckt von den Eigenheiten der byzantinischen Vokalideen. (Ljubiša Tošiæ / DER STANDARD, Printausgabe, 13.04.2007)

Divna und "Melodi" im Wiener Konzerthaus: 12. Mai, Mozart-Saal. 19.30

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www.melodi.org.yu
  • Die Serbin Divna Ljubojevic widmet sich mit heller, juveniler Stimme der sakralen Musik.
    foto: milan kralj

    Die Serbin Divna Ljubojevic widmet sich mit heller, juveniler Stimme der sakralen Musik.

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