Mama, Papa, Fledermaus: Marianne Mendt erinnert an Gerhard Bronner

20. April 2007, 14:36
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Die Sängerin mit "Stationen" im Stadttheater Walfischgasse - Bronner machte sie mit der "Glock'n" zum Star

Wien – Ihr Interesse gilt natürlich vor allem dem Jazz: Mitten im Achten, in der Laudongasse, hat Marianne Mendt, um den Nachwuchs zu fördern, vor einem Jahr eine Musikwerkstatt eingerichtet. Und wenn das Tonstudio im Keller fertig ist, dann kann die MM – Marilyn Monroes Initialen standen bei der Wahl des Künstlernamens 1960 Pate – den Traum vom eigenen Plattenlabel verwirklichen.

Anita Ammersfeld, Prinzipalin des Stadttheaters Walfischgasse, ließ aber nicht locker: Immer wieder lud sie "die Mendt" ein, bei ihr ein Programm zu realisieren. Irgendwann freundete sich die Allrounderin mit dem Gedanken an eine Retrospektive an. Doch dann, am 19. Jänner, starb Gerhard Bronner, der ab 1959 das Stadttheater Walfischgasse, das damals Neues Theater am Kärntnertor hieß, geleitet hatte. Ihm hat Marianne Mendt viel zu verdanken: Er machte sie mit einem Dialektsong, der im Wortsinn den Austropop einläutete, zum Star. Und so fokussiert sie den Rückblick, der am Freitag, 13.4., zur Premiere gelangt, auf ein entscheidendes Jahr: 1970.

Ihre Band, The Internationals, mit der sie sechs Jahre durch ganz Europa getourt war, hatte sich aufgelöst. Marianne Mendt, zurück in Wien, suchte, um die Zeit bis zum nächsten Aufbruch zu überbrücken, einen Job. Al "Fats" Edwards, Sänger bei Fatty George, riet ihr, "zum Bronner in die Fledermaus-Bar" zu gehen, weil dieser immer wieder Sängerinnen suchte. Marianne Mendt sang ihm vor, "Take Five", und Gerhard Bronner engagierte sie vom Fleck weg. Allabendlich sang sie nun in der Fledermaus.

Nach ein paar Wochen fragte Bronner sie, ob sie es sich zutraue, in seiner Fernsehsendung "Die große Glocke" ein Lied auf wienerisch zu singen. Der Auftritt war ein Riesenerfolg. Und so wurde die Idee geboren, Dialekt mit Popmusik zu verbinden. Die Melodie für "Die Glock'n" hatte es bereits gegeben: "Sie war die Kennmelodie für 'Die große Glocke'", erzählt Marianne Mendt. "Da hat der Bronner gemeint, sie sei doch geeignet für mich – und hat einen neuen Text geschrieben, eben 'Die Glock'n, die 24 Stunden läut'." Im Mai kam die Single heraus, wenig später die von Bronner produzierte LP.

In Wien hielt man "die Mendt" für ordinär: "Dabei gab es in der Glock'n kein einziges verfängliches Wort. Aber die Kombination Popmusik, Dialekt und noch dazu eine Frau: Das wollten manche nicht." Überall sonst riss man sich um die Sängerin: "Von Hamburg bis Zürich, das war damals wirklich eine Sensation." Zu einer weiteren LP mit Bronner kam es nicht: "Wir waren divergierender Meinung. Er wollte am liebsten – ich übertreibe – in jedem Takt 27 Harmonien. Und ich habe die Notwendigkeit nicht gesehen. Ich wollte Jazz machen, Theater spielen, mich nicht festnageln lassen als Diseuse." Ihrem "Men(d)tor" hielt sie aber die Treue und trat weiterhin bei ihm auf: "Meine Gründe, für ein paar Tage nach Wien zu kommen waren: Mama, Papa, Fledermaus."

Und so singt sie in Stationen nicht nur viele Lieder, die Bronner mit Wehle, Heller und anderen schrieb, sondern erzählt auch von Begegnungen in der Fledermaus mit Torberg, Merz, Farkas, Wiener – und natürlich Helmut Qualtinger. "Er kam sehr oft in die Fledermaus. Er wollt mit mir eine LP aufnehmen. Aber ich hab das damals nicht richtig eingeschätzt:'Was soll ich mit dem singen? Der ist ja kein Musiker! Das schafft der nie!' Das tut mir im Nachhinein natürlich irrsinnig Leid." (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.4.2007)

Termine: 14., 18., 21. und 26. April, 20 Uhr.
Tel.: 01/512 42 00
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Marianne Mendt gedenkt musikalisch ihres "Men(d)tors" Gerhard Bronner: Er schrieb 1970 für sie ein Lied, das im Wortsinn den Austropop einläutete.
    foto: standard / fischer

    Marianne Mendt gedenkt musikalisch ihres "Men(d)tors" Gerhard Bronner: Er schrieb 1970 für sie ein Lied, das im Wortsinn den Austropop einläutete.

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