Ein bisschen Sonnenschutz ist zu wenig

26. Juli 2007, 13:15
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30 Milliliter sind nötig - "Wir wissen, dass die Menschen zu wenig verwenden" - Auch das Nachcremen werde vernachlässigt

Wien - Mit Temperaturen um 25 Grad hat in Teilen Österreichs schon Sommerwetter Einzug gehalten. Ohne Sonne hätten wir wegen Vitamin D-Mangels weiche Knochen, schlechte Laune und wären weniger leistungsfähig.

Zuviel Sonne

Zu viel Sonne kann Erkrankungen bis hin zum häufig tödlichen Hautkrebs verursachen. Ausschlaggebend ist die Dosis. Das gilt auch für Sonnenschutzmittel. "Wir wissen, dass die Menschen zu wenig verwenden", sagt der Vorarlberger Dermatologe Robert Strohal.

Nötig seien "30 Milliliter für den durchschnittlichen Körper", betonte der Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Landeskrankenhaus Feldkirch. Nach dieser Auftragsmenge richtet sich die standardisierte Messung des Lichtschutzfaktors.

Dick schmieren

Die Empfehlung ist durch Studien untermauert. So rät auch Herbert Hönigsmann, Vorstand der Abteilung für Spezielle Dermatologie an der Wiener Universitätsklinik: "Theoretisch sollten es zwei Milligramm pro Quadratzentimeter beziehungsweise zirka 30 Milliliter für den ganzen Körper sein."

Eine Flasche am Tag

Außerdem gehört laut Strohal "alle zwei bis drei Stunden reichlich nachgecremt", damit die Schutzwirkung nicht durch Schwitzen, Abrieb oder Schwimmen beeinträchtigt wird. Die Hersteller wird es freuen das zu hören. Mit den handelsüblichen Größen von 100 bis 200 Milliliter kommt man so nicht weit. Eine vierköpfige Familie verbraucht da an einem Tag am Strand ein Flascherl. Tatsächlich tragen die Konsumenten aber durchschnittlich nur 0,5 bis 1,5 Milligramm pro Quadratzentimeter Haut auf.

Hautkrebs häufigster Krebs

Beim Sonnenschutz zu sparen zahlt sich nicht aus: "Hautkrebs ist die häufigste Krebsform beim Menschen", sagte Strohal. In Österreich erkranken seinen Angaben zufolge jedes Jahr rund 1.200 Menschen an einem Melanom, etwa 300 sterben. "Das Schlimmste: Die Zahlen verdoppeln sich alle zehn Jahre."

Anstieg durch Lebensstil

Den Anstieg führt Strohal auf den veränderten Lebensstil - "Sonne tanken" in Urlaub und Freizeit - zurück. "Bei drei Stunden Segeln erhalten Sie ungeschützt das 19fache der erlaubten Tagesdosis an UV-Strahlen. Bei vier Stunden Golf ist es das 17fache, bei einer Stunde Schwimmen im Freien immer noch das Dreifache", erläuterte der Hautarzt.

Positive Wirkung der Sonne

Strohal will die positiven Seiten der Sonne nicht schmälern: "Sie macht uns leistungsbereiter, ist wichtig für unsere Psyche und die Vitamin D-Produktion." Dafür reiche aber eine Viertel- bis halbe Stunde Sonnenbestrahlung pro Tag auf Gesicht und Unterarme aus. "Mit einem 15er- bis 20er-Faktor, in der Früh aufgetragen, haben Sie den ganzen Tag über sicher ausreichend Vitamin D-Synthese. In Europa kennen wir niemanden, der durch zu viel Sonnenschutz Probleme hätte." (APA)

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