Interview: UVA, UVB und jetzt noch IR-A

20. Juni 2008, 17:00
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Wie gefährlich ist die Infrarot-A-Strahlung? Im Interview Jean Krutmann vom Institut für Umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf

Nicht nur Kinder und hellhäutige Menschen, sondern auch Menschen mit normalem Hauttyp sollten sich vor schädigender Strahlung schützen. Nach neusten Erkenntnissen sind es nicht nur UVA- und UVB-Strahlen, die die Haut schädigen. Wissenschafter warnen auch vor den im Sonnenlicht enthaltenen Infrarot-A-Strahlen.

derStandard.at: Was macht Infrarot-Strahlung so gefährlich?

Krutmann: Nach neusten Erkenntnissen unseres Instituts führen Infrarot-Strahlen in der Haut zu biologischen Veränderungen, die vorzeitige Alterungsprozesse in Gang setzen und wahrscheinlich auch zu Hautkrebs führen können. Diese hautverändernden Mechanismen ähneln denen, die durch UV-Strahlung hervorgerufen werden.

derStandard.at: Wie kommt es zur Hautschädigung durch Infrarot-Strahlung?

Krutmann: Die kurzwelligen Infrarot-Strahlen des Typs A (IR-A) sind neben den eher ungefährlichen Strahlen der Typen B und C im Sonnenlicht enthalten und dringen bei Kontakt mit der Sonne tief in die Haut ein. Dort rufen sie oxidativen Stress hervor, der zu Faltenbildung führt und die Haut frühzeitig altern lässt.

derStandard.at: Welche Mechanismen laufen in der Haut ab, wenn sie der Infrarot-Strahlung der Sonne ausgesetzt ist?

Krutmann: Die IR-A-Strahlen greifen die Mitochondrien in den Hautzellen an. Diese auch als "Kraftwerk der Zellen" bezeichneten Organellen produzieren die für alle Lebensvorgänge notwendige Stoffwechselenergie.

Durch die Einwirkung von IR-A-Strahlen entstehen in den Mitochondrien aggressive Sauerstoffverbindungen, die freien Radikalen. Kommen sie in erhöhtem Maße vor, kann sich der Körper nicht mehr mit eigenen Mitteln dagegen wehren und es entsteht der sogenannte oxidative Stress.

derStandard.at: Wie wirkt ich der oxidative Stress auf die Haut aus?

Krutmann: Oxidativer Stress setzt eine Zellschädigungskaskade in Gang: Er führt zu einer erhöhten Produktion von Enzymen, die Kollagen abbauen. Kollagen ist ein wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes der Haut, der für Feuchtigkeitsspeicherung und Elastizität verantwortlich ist.

Der Eiweißabbau verringert die Elastizität des Bindegewebes und seine Fähigkeit Feuchtigkeit zu speichern. Die Haut wird trocken und es bilden sich Falten.

derStandard.at: Wie kann man sich vor den Schäden durch IR-A-Strahlen schützen?

Krutmann: Die Wissenschaftler des IUF fordern, dass Sonnenschutzprodukte um einen speziellen Schutz vor den Schäden durch IR-A-Strahlung ergänzt werden. Herkömmliche Mittel legen einen Filter auf die Haut, der vor den negativen Auswirkungen der UV-Strahlung schützt. Ein Schutz vor IR-A-Strahlen muss dagegen in der Haut erfolgen, da diese Strahlen viel tiefer in die Haut eindringen.

derStandard.at: Was müssen diese Sonnenschutzprodukte enthalten, um den frühzeitigen Hautalterungsprozess zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen?

Krutmann: Vor oxidativem Stress und seinen Auswirkungen schützen aktive Moleküle, die sogenannten "actives". Antioxidantien wie Karotinoide, Flavonoide und Vitamine sind solche "actives".

Einige davon sind zwar bereits in Sonnenschutz- und Hautpflegeprodukten enthalten, es bedeutet aber nicht, dass sie auch gegen Infrarot schützen. Es müssen also die richtigen Antioxidantien und deren Kombination ermittelt werden, um einen wirksamen Schutz zu gewährleisten.

derStandard.at: Was ist mit den Strahlen in Infrarot-Wärmelampen, Infrarot-Kabinen und Saunen - sind sie ebenfalls schädlich?

Krutmann: Bei den Infrarot-Wärmelampen handelt es sich um gezielte Anwendungen im medizinischen Bereich. Dort nutzen Ärzte in genau dosierten Bestrahlungen die Wärme erzeugende Wirkung von Infrarot-Strahlung, zum Beispiel in der Physiotherapie oder bei der Behandlung von Krebserkrankungen.

Für Infrarotkabinen und die Wärmestrahlung in Saunen liegen noch keine konkreten Forschungsergebnisse vor; hier besteht noch Forschungsbedarf, dem sich die Wissenschaftler des IUF momentan widmen.

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    foto: privat
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