Glawischnig kritisiert "Attacken gegen Kulturinstitutionen"

28. Juli 2000, 15:58

Mica muss nun MitarbeiterInnen kündigen

Wien - "Die Attacken gegen Kulturinstitutionen mittels Geldentzug seitens der Bundesregierung gehen munter weiter. Die führende Einrichtung zur Förderung und Verbreitung des aktuellen und künftigen Musikschaffens 'mica' muss nun die MitarbeiterInnen kündigen", kritisiert die Kultursprecherin der Grünen, Eva Glawischnig. "Kunststaatssekretär Morak, der sonst ja gerne das Wort vom Kulturmarkt im Munde führt und einst selbst als Rocksänger durch das Land zog, ist offenbar völlig uninformiert über die Folgen", so Glawischnig.

In der erst im April 2000 vorgestellten Studie "Die Musikwirtschaft Österreichs" stellt Univ. Prof. Scheuch fest, dass die österreichische Musikwirtschaft fast 30 Milliarden Schilling zur Wertschöpfung zum BIP beitrage und empfiehlt der Politik, langfristig sowohl in Ausbildung als auch in Institutionen wie mica zu investieren, um die Wertschöpfung zu erhalten und zu verbessern, erinnert die Grün-Politikerin. Denn gerade die Vermittlung und Verbreitung zeitgenössischer Musik, so Scheuch, sei notwendig, "um mittelfristig ein attraktives Ambiente für die Tonträgerschlüsselindustrie zu bieten. Genau das leistet mica."

Nach Subventionskürzungen acht von elf Mitarbeitern gekündigt

Der Betriebsrat des music information center austria (mica) hat am gestrigen Donnerstagabend in einer Aussendung mitgeteilt, dass acht von elf MitarbeiterInnen mit Ende September gekündigt werden. Das bedeutet, dass alle MitarbeiterInnen ohne Kündigungsschutz, also ausgenommen Geschäftsführer und BetriebsrätInnen, gehen müssen. Als Grund geben die beiden BetriebsrätInnen Günther Leucht und Katharina Marginter und der Geschäftsführer Peter Rantasa an, dass sich der Hauptsubventionsgeber, das Kunststaatssekretariat im Bundeskanzleramt, noch nicht dazu durchringen konnte, dem mica eine Förderung zuzusprechen.

Der Geldmangel habe zur Folge, dass die Serviceleistungen stark eingeschränkt werden müssen. "Wenn wir nur noch zu dritt sind, kommt das einem Zusperren gleich", erklärte Marginter. Auch Rantasa sieht "in dieser Dimension mit zwei MitarbeiterInnen und einer Geschäftsführung keinen Sinn mehr. Die Weiterführung eines im Vorjahr auf 15, zuletzt auf zwölf Personen angelegten Dienstleistungsbetriebs in einem Haus mit 651 Quadratmetern Nutzfläche durch drei Personen wäre eine Alibiaktion". Trotzdem könne der Vorstand den Verein wahrscheinlich nicht auflösen, denn es bestehen vertragliche Bindungen an das Haus und den Geschäftsführer.

Förderungsantrag nicht beantwortet

Das Kunststaatssekretariat habe bisher den Förderungsantrag, den das mica jedes Jahr stellen muss, nicht beantwortet, so Rantasa. Es habe lediglich zwei mündliche Förderungszusagen über etwa 6,75 Millionen Schilling gegeben. Das Musikinformationszentrum musste sich heuer bisher mit Zwischensubventionsraten von 2,5 Millionen und einer Million durchschlagen.

Der seit Jahresbeginn amtierende Geschäftsführer Rantasa hat im Personalbereich in Hinblick auf die im Vorjahr angekündigten zehn Prozent Kürzungen vier Stellen einsparen müssen. Da facto errechnet er nun 27 Prozent weniger Fördermittel, da zu den 7,2 Millionen des Bundes in den letzten Jahren auch zwei Millionen Schilling aus den Mitteln des Musikkurators hinzugekommen sind.

Das mica ist laut Eigendefinition die führende Infrastruktureinrichtung zur Förderung des aktuellen und künftigen Musikschaffens Österreichs. Gefördert werden sollen sowohl die Schaffung wie auch die Verbreitung und Reflexion zeitgenössischer österreichischer Musik. Das mica ist auch Kommunikationsplattform, Servicestelle und Dienstleister für professionelle Musikschaffende aller Genres, für MusikvermittlerInnen (Labels, Veranstalter, Verlage, Medien) und Musikinteressierte. (APA)

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