Aktion gegen Fremdenhass und Antisemitismus

28. Juli 2000, 14:30

Nach mehreren Zwischenfällen in Deutschland geplant

Berlin - Eine Aktion gegen Fremdenhass und Antisemitismus wird nach mehreren Zwischenfällen in Deutschland geplant. Das Bündnis soll bis September gebildet sein, sagte der deutsche Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Freitag in Berlin. Er will sich dazu am 7. August mit dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, treffen. Nach dessen Angaben sollen auch prominente KünstlerInnen und SportlerInnen an der Aktion beteiligt werden.

"Boris Becker, Mario Adorf und Veronika Ferres haben spontan zugesagt", sagte Spiegel in der "Rhein-Zeitung". Er warnte eindringlich vor einem Erstarken des Rechtsextremismus. "Heute richtet sich der Hass gegen Fremde, morgen gegen Behinderte und übermorgen gegen andere Minderheiten." Die fast täglichen Übergriffe auf AusländerInnen, die Schändungen von jüdischen Friedhöfen und Synagogen hätten ein "beängstigendes Ausmaß" angenommen.

Fremdenfeindliche Hintergründe bei Sprengstoffexplosion vermutet

Der deutsche Innenminister Otto Schily (SPD) vermutet, dass die Sprengstoffexplosion in Düsseldorf fremdenfeindliche oder rassistische Hintergründe haben könnte. "Man kann aus der Tatsache, dass es sich bei den Opfern um Ausländer handelt, die Vermutung haben, dass es einen solchen Hintergrund haben könnte", sagte Schily am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Gesicherte Erkenntnisse dazu gebe es aber noch nicht. Schily äußerte zugleich Sorge über Ausschreitungen von Rechtsradikalen gerade in der jüngsten Zeit und forderte gesamtgesellschaftliche Anstrengungen, solchen Tendenzen entgegenzutreten.

Die Tatsache, dass es ein Potenzial im Rassismus und Rechtsradikalismus gebe, sei alarmierend und erschreckend, sagte Schily. Erschreckend sei auch, was "an rassistischer, antisemitischer Propaganda" über das Internet verbreitet werde, auch vom Ausland aus. "Insofern müssen wir unsere Anstrengungen (zur Eindämmung dieser Tendenzen) in der Tat erhöhen." Dies sei aber nicht nur Sache der Politik, sondern der gesamten Gesellschaft, sagte Schily. (APA/dpa/Reuters)

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