Für neuen HP-Bürodrucker ist Tinte der neue Laser

22. April 2007, 16:03
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Hewlett Packard will mit neuer Technologie den bisher verschlossenen Kopiermarkt aufmischen.

Bisher galt als Faustregel: Tintendrucker, billig in der Anschaffung und relativ teuer im Betrieb, sind für kleine Stückzahlen.

Laserdrucker, teuer in der Anschaffung und dafür billiger im Betrieb, für mittlere Auflagen. Und für die großen Auflagen halten Kopierer auf Laserbasis her, die bei der Dokumentenproduktion im Büro die Hauptlast tragen.

Weiterentwicklung

Diese Logik will Hewlett Packard (HP) mit einer Weiterentwicklung seiner Tintentechnologie auf den Kopf stellen. "Bisher haben wir die Druckköpfe bewegt, um Tinte aufs Papier zu bringen. Jetzt bewegen wir das Papier an seitenbreiten Druckköpfen vorbei, damit können wir das Tempo beschleunigen", erklärte Michael Hoffmann, HP Senior Vice President für den Image- und Druckbereich in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA).

Multifunktionsgeräte

Mittwoch präsentierte HP seine ersten Multifunktionsgeräte (MFP) mit der neuen "Edgeline Technologie" genannten Weiterentwicklung seiner Tintendrucktechnik. HP investierte in den letzten Jahren 1,4 Mrd. Dollar (eine Mrd. Euro) in "skalierbare Drucktechnik" wie Edgeline. Einfach erklärt: Die sechs stationären Druckköpfe sind so breit wie das zu bedruckende Papier, die Tinte trocknet besonders schnell und wird mit Hilfe eines Bindemittels auf dem Papier aufgetragen. Das ermöglicht hohes Drucktempo, die Ausdrucke sind sofort trocken und verschmieren nicht - selbst Markierungsstiften hält der Ausdruck dadurch stand.

Der neue HP CM8060 kann pro Minute 60 Seiten in Schwarz-Weiß und 50 Seiten in Farbe drucken (bzw. 50/40 der etwas langsamere 8050) und soll durch "sehr wettbewerbsfähige Preise" Farbe ins Büro bringen.

Keine genauen Preise

Genaue Preise pro bedruckter Seite nennt HP nicht, da dies von Ausstattung und Auslastung abhänge. Es gibt zwei (unterschiedlich teure) Druckmodi, für erstklassige gedruckte Materialien, vor allem für Marketing und Werbung, und "normale" Büroausdrucke; Seite mit wenig Farbe (z. B. mit einem Logo) werden wie Schwarz-Weiß verrechnet.

Papierberg wächst

"Wir gehen damit in einen Markt, den wir bisher nicht besetzen", erklärt Hoffmann im Gespräch mit dem Standard. Zwischen Druck und Kopie gebe es mit dieser Technik keinen Unterschied mehr, und im Kopiermarkt war HP nicht präsent.

Sorgen um eine "papierlose" Welt macht sich HP keine: 2005 wurden weltweit 46 Billionen Seiten gedruckt, wobei alle Arten von Bedrucktem, also auch Zeitungen und Bücher, auf A4-große Seiten umgerechnet wurden. Bis 2010 soll dieser Papierberg auf 52 Billionen anwachsen; wobei der Anteil des digital gedruckten Papiers nur acht Prozent betrug und auf zehn Prozent wachsen wird. "Wir wachsen, weil der Analogdruck, wie bei einer Heidelberger Druckpresse, auf Digitaldruck übergeht", sagt Hoffmann.

Ein Drittel

Imaging und Print machen etwa ein Drittel des Umsatzes von HP aus, der im ersten Quartal 2007 rund 27 Mrd. Dollar betrug. Zum Gewinn steuern die Drucker sogar die Hälfte bei, und das Wachstum dieser Sparte liegt deutlich über dem generellen Konzernwachstum von 7,7 Prozent.

Aber trotz weiteren Wachstums mit Drucken setzt HP auch vermehrt auf "Imaging"-Technologie, sagt Hoffmann: "Web 2.0 verändert die Art, wie Inhalte kreiert und konsumiert werden. Das eröffnet für uns neue Chancen jenseits des Drucks."(Helmut Spudich aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe vom 12.4.2007)

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    foto: hp
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