Des Kanzlers gebildete Tafelrunde

13. Juli 2007, 13:45
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Gusenbauer und Molterer parlierten mit Unterrichtsministerin Schmied und Wissenschaftsminister Hahn über Medizinquoten und Studiengebührenbefreiung

Zwei fixe Frühstückspartner, zwei wechselnde Gäste und zwei Bildungsthemen: Bundeskanzler Gusenbauer und Vizekanzler Molterer parlierten mit Unterrichtsministerin Schmied und Wissenschaftsminister Hahn über Medizinquoten und Studiengebührenbefreiung.

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Wien – Bildlich verewigt werden sollte die morgendliche Tafelrunde im Bundeskanzleramt dann lieber doch nicht, meinte man im Kanzlerbüro. Und so hieß es Mittwoch früh: Fotografen, bitte draußen bleiben! Kaffeeflecken am Tisch und Krümel am Boden müssen ja nicht unbedingt öffentlich werden. Also frühstückte das von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer eingeladene Frühstücks-Quartett unter sich – und parlierte über Bildung. Neben dem wöchentlichen Frühstücks-Gegenüber Vizekanzler Wilhelm Molterer hatte sich die rot-schwarze Bildungsfraktion aus der Ministerriege dazugesellt.

Käse und Weintrauben

Johannes Hahn (VP) hätte übrigens gar kein Problem gehabt, sein bevorzugtes Menü für den Tagesbeginn auch öffentlich zu dokumentieren – und das im Wissen, dass seine Parteikollegin, Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, ihr freimütig-fröhliches Bekenntnis zu einem Schweinsbraten ab und an vermutlich noch lange nachhängen wird.

Der Wissenschaftsminister bekannte sich offenherzig zu „Wurst und Käse und dazu Kaffee“. Die schwarze Hälfte der als „Minister-WG“ am Minoritenplatz firmierenden Büro-Partnerschaft im Doppelministerium goutiert eindeutig das „gute, klassische Wiener Frühstück“.

Seine Büro-Nachbarin, Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP), konsumierte dagegen die puristisch-frugale Frühstücksvariante. „Ich habe Weintrauben gegessen“, war zu erfahren. Dass die beiden obersten Bildungs-Beauftragten der Nation bei Kanzler und Vizekanzler frühstücken durften, war zwei Themen geschuldet, die in der politischen Pipeline liegen.

Quoten-Optimismus

Thema eins war die von der EU bekämpfte Quote für Medizinstudierende an Österreichs Medizin-Unis, die nun bereits der zweiten Regierung nach Schwarz-Blau ziemlich schwer im Magen liegt. Zuletzt hatte Gusenbauer in Brüssel dazu Gespräche geführt, und von denen wusste er durchaus Hoffnungsfrohes zu berichten.

Der EU-Kommission sei nun klar, dass es einer politischen Lösung bedürfe, weil es Österreich um die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung gehe. „Ich bin zuversichtlich, dass es zu einem guten Ergebnis kommen wird.“

Aus Hahns Wahrnehmung geriet das von ihm eigentlich als „Arbeitstreffen“ erwartete Zusammentreffen eher zu einem gemütlichen Beisammensein: „Es war nichts anderes, als dass wir uns über unsere verschiedene Begegnungen mit Leuten, die das Medizinquoten-Thema interessiert, ausgetauscht haben“, sagte er zum Standard. Kommende Woche sei der nächste „Gedankenaustausch“ auf Beamtenebene in Brüssel angesetzt. Dass das Bildungsfrühstück vielleicht nicht mit voller Verve angegangen worden sei, könnte auch so erklärbar sein: „Die Republik und der Kanzler haben noch andere Themen“, sagte Hahn und meinte wohl die Causa prima – Eurofighter.

Das zweite Thema, das von den vier Frühstückern debattiert wurde, war das geplante Tutoren- und Mentoren-System, mit dem sich Studierende von der Studiengebühr „freikaufen“ können sollen, sagte Schmied. Hahn brachte dazu quasi als „Gastgeschenk“ einen Zwischenbericht der zuständigen Arbeitsgruppe mit. Beide Minister erwarten, dass das Gebührenbefreiungsmodell im Herbst 2008 startet. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD Printausgabe, 12. April 2007)

  • Zwei fixe Frühstückspartner, zwei wechselnde Gäste und zwei Bildungsthemen: Bundeskanzler Gusenbauer und Vizekanzler Molterer parlierten mit Unterrichtsministerin Schmied und Wissenschaftsminister Hahn über Medizinquoten und Studiengebührenbefreiung.
    foto: standard/cremer

    Zwei fixe Frühstückspartner, zwei wechselnde Gäste und zwei Bildungsthemen: Bundeskanzler Gusenbauer und Vizekanzler Molterer parlierten mit Unterrichtsministerin Schmied und Wissenschaftsminister Hahn über Medizinquoten und Studiengebührenbefreiung.

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