Auf Haakons heimlichen Höhen

22. April 2007, 15:21
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Die Birkebeinerloipe gehört den Helden - Die Schneereserven für Heldentaten vor Holzhütten in Lillehammers Bergen

Auf der Trollloipe sind die Trolle unterwegs. Aber die sieht man nicht, sonst wären sie ja keine Trolle. Die Birkebeinerloipe hingegen, die gehört den Helden, und die sind unübersehbar. Mutig und tapfer sind und waren sie, die Birkebeiner. Den kleinen Haakon Haakonssøn, den heimlichen Königssohn, haben sie auf Skiern in Kälte und Sturm über das Fjell, den Berg, getragen und damit die Basis für friedlichere Zeiten geschaffen. Damals, vor 800 Jahren. Mit dabei auf der Flucht vor den Bischofstruppen auch Inga, die heimliche Geliebte des Königs, Kinds- und Löwenmutter. Wie Inga und die Birkebeiner überwinden jedes Jahr im März unerschrockene Marathonläufer den Berg.

Birkebeiner-Lauf

Beim Birkebeiner-Lauf, der zur Worldloppet-Serie und neben dem schwedischen Wasa-Lauf als der härteste Langlauf-Marathon gilt, hetzen sie 54 Kilometer von Rena nach Lillehammer, überwinden quer durch Norwegens beliebteste Langlaufdestination 1100 Höhenmeter. Einen 3,5 Kilogramm schweren Rucksack müssen sie mitschleppen - als Symbol für das Königskind sagen die einen, als Notvorrat meinen die anderen.

Inga-Lami

Wer in den ersten Märztagen auf den 350 Loipenkilometer rund um die Hüttenweiler Nordseter und Sjusjoen hoch über Lillehammer unterwegs ist, wird sie beim Training treffen, die Birkebeiner. Nicht weniger sportlich, aber wesentlich lockerer, nehmen die Frauen das winterliche Babytransport-Ritual. Traditionell in der zweiten Märzwoche laufen Tausende den Inga-Lami, den größten Frauenlauf Norwegens. 15 oder 30 Kilometer, je nach Kondition. Und anschließend bewältigen sie auch noch die Festmeile im Olympiastädtchen Lillehammer, den wohl längsten Teil des Rennens.

Picknick-Gespann

Nicht nur symbolische Babys werden dort transportiert. Nirgendwo sonst sieht man so viele Elternpaare vor den Pulk, die Langlaufwanne für moderne Schneekönigskinder, gespannt. Werden gleich zwei "Zugtiere" benötigt, weil noch keines der beiden Kinder (auf Skiern) gehen kann, machen die Großeltern den Verpflegungstross. In den Rucksäcken haben sie alles, was man für's winterliche Picknick braucht. Die Schaufel, um einen windstillen Platz auszuschaufeln, die Isomatte gegen die Kälte, gravlaks, gebeizten Lachs, brunost, süßen braunen Käse, hauchdünne Brotfladen und Waffeln, dick mit Marmelade oder Rahm gefüllt.

Picknicken und Hüttenurlaub

Die zweite große Leidenschaft nach dem Picknicken ist der Hüttenurlaub. So herrscht auch zwischen der unendlichen Baum- und Seenlandschaft des Fjells kein Mangel an Holzunterkünften. "Hytteutleie" heißt Hüttenvermietung, dort gibt's auch leihweise Pulks, Schlitten, Motorsägen. Alternative zur Selbstversorgung ist die "Winterpension" in einem der Berggasthöfe. Das ist wie Beamen in die Seventies. Weder Wellness, Design, noch Haubenküchen lenken vom Wesentlichen ab: der üppigen Versorgung mit Schnee.

Die Anreise zu Trollen und Helden ist ganz einfach: Zwei Stunden mit dem Zug vom Osloer Flughafen Gardermoen nach Lillehammer. Aus der Olympiastadt fährt der Bus im Stundentakt hinauf zu den Hütten von Nordseter und Susjoen. Dorthin, wo bis weit nach Ostern Schnee liegt. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8./9.4.2007)

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    foto: photodisc
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