Ein Viertel mehr heimisches Öl und Gas bis 2010

30. April 2007, 21:17
21 Postings

120 Millionen Euro fließen in Infrastruktur­ausbau des Wiener Beckens - Erdöl- und Gasförderung im Marchfeld deckt derzeit rund 10 bis 13 Prozent

Wien - Die OMV will in den nächsten drei Jahren die heimische Öl- und Gasproduktion um ein Viertel erhöhen. Um die Produktion im Wiener Becken hochfahren zu können, plant der Mineralölkonzern Investitionen von 120 Mio. Euro. Dafür sollen seine Förderstätten im Wiener Becken aufgerüstet werden. Ziel sei die "langfristige Sicherung der heimischen Erdgasproduktion", so die OMV am Mittwoch in einer Aussendung. Im Vorjahr wurden in Österreich 14 Mio. Öl-Äquivalent (boe) an Erdöl und Erdgas produziert.

Ein Viertel mehr an Erdöl und Erdgas soll das Wiener Becken bis 2010 abwerfen. Das entspricht einer Steigerung der derzeitigen Fördermenge von rund 39.000 Barrel Öl-Äquivalent am Tag (boe/d) auf etwa 50.000 boe/d. Um das zu erreichen, werden über das Modernisierungsprojekt "Matzen Neu" und der Feldentwicklung "Ebenthal Tief" 120 Mio. Euro in den Um- und Ausbau der Produktionsinfrastruktur gepumpt.

Im Matzener Ölfeld wird um 70 Mio. Euro eine neue, zentrale Gewinnungsstation gebaut. Diese soll die zwölf bestehenden Stationen ersetzen. Die bisherigen Gewinnungsstationen werden zu Messstationen umgebaut. Das über 60 km lange Pipelinenetz wird dafür ebenfalls erneuert und optimiert. Bis Mitte 2009 sollen die Arbeiten im größten zusammenhängenden Ölfeld Mitteleuropas abgeschlossen sein.

Zusätzliche Reserven

Der zweite Investitionsbrocken in Höhe von 50 Mio. Euro soll für die Feldentwicklung des 2005 entdeckten Erdgasfeldes "Ebenthal Tief" aufgewendet werden. Dabei müssen Leitungen an die 16 Kilometer entfernte Verdichterstation Auersthal gelegt werden, um eine Anbindung des Feldes zu erreichen. Auch die Verdichterstation wird ausgebaut. In der Investitionssumme sind auch die Bohrkosten enthalten, so die Angaben der OMV. Bis Mitte 2008 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Der Konzern rechnet durch die Erschließung von "Ebenthal Tief" mit zusätzlichen Reserven von ca. 1,5 Mrd. Kubikmeter Gas.

Die OMV ist als führendes Erdöl- und Erdgasunternehmen Mitteleuropas im Bereich Raffinerien & Marketing in 13 Ländern tätig. Im Bereich Exploration & Produktion ist der Konzern in 20 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv. Insgesamt liegt die Tagesproduktion der OMV in allen ihren Explorations- und Produktionsfeldern bei rund 324.000 boe, die Öl- und Erdgasreserven betragen rund 1,3 Mrd. boe.

Die 14 Mio. boe aus der heimischen Förderung und Produktion entsprechen etwa dem Förderniveau von 1980. Diese setzen sich jeweils zur Hälfte aus Rohöl und Natural Gas Liquids (rund 860.000 Tonnen) sowie Erdgas (1,2 Mrd. Kubikmeter) zusammen. Diese Mengen entsprechen Konzernangaben zufolge 10 bzw. 13 Prozent des österreichischen Jahresbedarfs. Insgesamt verfügt die OMV im österreichischen Weinviertel derzeit.

Wichtigster Arbeitgeber in der Region Gänserndorf

Mit 760 Beschäftigten sei die OMV der wichtigste Arbeitgeber in der Region. Das unterstrichen Reinhart Samhaber, Geschäftsführer der OMV Austria Exploration & Production GmbH, und Ferdinand Fürhacker, Obmann des Verbandes der 54 niederösterreichischen Erdöl- und Erdgasgemeinden, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Schönkirchen-Reyersdorf (Bezirk Gänserndorf) anlässlich des Spatenstichs für das Moderniniserungsprojekt "Matzen neu".

Fürhacker, selbst Bürgermeister in Auersthal, wo bereits Erdbewegungen für die neuen Pipelines zu sehen sind, sprach von einer fairen und fruchtbaren Partnerschaft mit der OMV. Durch den Ausbau der Förderanlagen würden die Arbeitsplätze langfristig gesichert. Auch wenn die OMV nach den Worten von Betriebsleiter Siegfried Gugu ihre "Footprints" im Interesse der Grundeigentümer so klein wie möglich halte, seien doch Eingriffe in die Natur sichtbar. Fürhacker betonte daher die Bedeutung der Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung.

Der Mitarbeiterstand werde in den nächsten fünf Jahren annähernd gleich gehalten werden, meinte Samhaber. Überdies beschäftigt die OMV rund 500 Kontraktoren wie z.B. Rohrverlegefirmen. Großes Gewicht wird auf die Arbeitssicherheit gelegt, weshalb auch nur dahingehend zertifizierte Firmen Aufträge erhalten.

Samhaber verwies darauf, dass der Ölfund in Matzen durch die Sowjetbesatzung 1949 und die Übergabe an Österreich 1955 gewissermaßen die Wiege für die 1956 gegründete OMV war. Das Feld sei zu 30 bis 35 Prozent ausgefördert, durch die Tätigkeit im Wiener Becken habe sich die OMV durch die Jahre hindurch spezielles Know-how" in der Ausschöpfung von "mature oil fields" erworben. (APA)

  • Artikelbild
    foto: standard/omv
Share if you care.