Konsumentenschützer raten zu Vorsicht bei Wertpapierkauf via Internet

30. Juli 2000, 12:00

Neben An- und Verkaufsspesen können auch Mindestspesen, Grund- und Depotgebühren und Kontokosten anfallen

Beim Wertpapierverkauf via Internet sollten Konsumenten genau auf die anfallenden Kosten achten, rät der "Konsument" in seiner August-Ausgabe. Obwohl Online-Wertpapier-Broker grundsätzlich Veranlagungen zu deutlich günstigeren Spesen als der herkömmliche Wertpapier-Handel am Bankschalter bieten, können neben An- und Verkaufsspesen (Transaktionsgebühren) auch Mindestspesen, Grund- und Depotgebühren sowie Kontokosten anfallen. Generell gelte: Je höher das Ordervolumen, desto niedriger die Spesen.

Grundgebühren und Mindestspesen kommen pro Order hinzu und schlagen vor allem bei kleinen Beträgen kräftig zu Buche. Beispielsweise seien die Mindestgebühren der Creditanstalt mit 600 S bis 2.000 S (145 Euro) für Orderbeträge unter 100.000 S für Kleinanleger eindeutig zu hoch, findet der "Konsument". Teuer kämen auch die Spesensätze des Online-Brokers Comdirect. Erst ab 1 Mill. S gelte der günstigere Spesensatz von 0,09 Prozent. Bis 100.000 S zahle der Anleger 0,441 Prozent. Für die günstigsten Online-Broker hält der "Konsument" die Volksbankdirekt, eine Online-Tochter der Volksbank Vorarlberg, und die deutschen Firmen ConSors und Comdirect.

Jede Order wird sofort ohne weitere Prüfung durchgeführt und lässt sich nicht rückgängig machen - dies sollte jeder Online-Wertpapierkäufer berücksichtigen, rät der "Konsument". Hilfreich seien Informationen über Charts, Hotline und das Serviceangebot des jeweiligen Anbieters sowie Lernmöglichkeiten durch Musterdepots zur Veranschaulichung und Übung für Neulinge am virtuellen Marktplatz. Angeboten würden diese Trockentrainings von SKWB Schoellerbank, Volksbankdirekt, ConSors und Comdirekt.

Da der Online-Handel noch in den Kinderschuhen stecke, gebe es oft Schwierigkeiten mit überlasteten Daten- und Telefonleitungen und Fehlern in der Orderabwicklung. Um sich für den Fall von falsch durchgeführten Aufträgen zu wappnen, rät "Konsument", unbedingt Fax- oder E-Mail-Protokolle der Aufträge aufzubewahren. Auch sollte die Transaktion nicht über das Gehaltskonto, sonder über ein eigenes Verrechnungskonto laufen.

In Österreich gebe es zwei Gruppen von Online-Wertpapierhändlern, so der "Konsument" weiter. SKWB Schoellerbank, Volksdirektbank, ConSors und Comdirekt beispielsweise bieten eine breite Palette an Diensten an, wie beispielsweise Order-Durchführung in Realtime (Echtzeit), Zusatzdienste (Musterportfolios, Wertpapier-Watchlisten, Charts, Hotline). Allerdings bestünden große Unterschiede der zeitlichen Verfügbarkeit einzelner Anbieter. Nicht immer sei es möglich, die Leistungen bis Börseschluss (New York 22 Uhr) und auch an Feiertagen in Anspruch zu nehmen, kritisierte der "Konsument".

Die zweite Gruppe, darunter Easybank, CA, OÖBV Privat Bank AG und Erste Bank, ermögliche nur einfache Dienste ohne Intraday-Handel. Order-Durchführungen seien nur zu den Bankgeschäftszeiten möglich. Die Erste Banken verspreche zwar Near-Realtime-Kurse (etwa 20 Minuten später), die anderen führen die Aufträge jedoch erst am nächsten Bankwerktag durch, was gezieltes Reagieren auf Kursschwankungen unmöglich mache, so das Magazin. (APA/red)

Share if you care.