Ein fliegender Käfig voller Närrinnen

10. April 2007, 21:16
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Nadja Maleh unterhält mit "Flugangsthasen": In ihrem ersten Soloprogramm in der Kulisse übt die Mittdreißigerin dezent Gesellschaftskritik

Wien - Der Titel trifft recht gut, auch wenn es nicht um abgehobene Phobien geht: In Flugangsthasen, ihrem ersten Soloprogramm, kombiniert Nadja Maleh, eine tirolerisch-syrische Wienerin, Parodie mit Anspruch. Denn auf einem Kurzflug der Maleh Airlines präsentiert die wandlungsfähige Schauspielerin als Abziehbild einer im Singsang daherredenden Stewardess das Entertainment-Programm - bestritten von langzeitarbeitslosen "Künstlerinnen".

Das Schlagwort "Comedy", unter dem sich die Mittdreißigerin vermarkten lässt, greift daher ein wenig zu kurz: Maleh übt dezent Gesellschaftskritik. Beispielsweise mit der Figur des eher unsympathischen Girlies Judy am amerikanischen Way of Life samt Schlankheitswahn. Und als Zukunftsforscherin relativiert sie die Angst vor fundamentalistischem Terror: Die Wahrscheinlichkeit, am Rauchen zu sterben, ist ungleich höher.

Natürlich: Der Flug (mit Bombe an Bord) ist nur Korsett für ein Nummernprogramm voll schräger Frauentypen. Aber Maleh versteht zu unterhalten: als naive Betroffenheitslyrikerin Biggi, als liebliche Inderin Mandala mit markerschütterndem Dauerlacher und als laszive "Animationskünstlerin" Desiree (sprich: Sexhotline-Stöhnerin mit dem "ficktiven" Namen Vagina), die als Schauspielerin ernst genommen werden möchte. Ihr Medea-Monolog geht tatsächlich in die "Analen" ein.

Bejubelter Star des bunten Abends, im Kabarett Niedermair uraufgeführt, ist die ostdeutsche Romana, die sächselnd davon träumt, Sängerin mit "Glemmor"zu werden: Sie illustriert Grönemeyers Männer nur mit Gesten derart hinreißend, dass man sich Nadja Maleh als Partnerin beim Activity wünscht ... (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2007)

Heute und 19. April, Kulisse
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    foto: kulisse
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