Impulse statt Katzenjammer

27. Juni 2007, 13:33
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Mit dem Campus Vienna Biocenter am Wiener Stadtrand entsteht derzeit eines der größten Biotechnologie-Zentren Europas. Federführend ist dabei die Prisma-Gruppe

Ein STANDARD-Gespräch mit Bernhard Ölz, Prisma-Gründer und CEO, und dessen Wiener Niederlassungsleiter Alexander Mandl.

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STANDARD: Am Campus Vienna Biocenter arbeiten heute schon 1500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf 60.000 Quadratmeter Labor- und Büroflächen. Gibt es denn überhaupt so viel Nachfrage im Bereich der Life-Sciences-Branche?

Bernhard Ölz: Die Life Sciences zählen zu den Bereichen mit den weitreichendsten Entwicklungs- und Wertschöpfungspotenzialen für die nächsten Jahrzehnte. Der Standort Wien hat dabei die Nase ganz weit vorn. Insofern kann ich nur sagen: Ja, die Nachfrage ist definitiv vorhanden.

STANDARD: Das hat man beim Internet anfangs auch gedacht. Kurz darauf war dann Katzenjammer angesagt.

Ölz: Von Katzenjammer kann keine Rede sein. Wir können inzwischen auf mehrere Jahre Erfahrung mit derart hoch spezialisierten Technologiezentren zurückgreifen. Und diese Zentren sind voll ausgelastet und müssen daher laufend erweitert werden. Die Partnerschaft mit dem ZIT/WWFF in Wien hat dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet.

STANDARD: Welchen Vorteil bringt das neue Intercell-Labor- und Bürogebäude für Wien?

Alexander Mandl: Das in Zusammenarbeit mit der Hypo Tirol und der ZIT entwickelte Hightechgebäude fasst eine Fläche von 7000 Quadratmetern. Es handelt sich dabei um modernste Büro- und Laborräumlichkeiten, die unter dem Namen Campus Vienna Biocenter 3 laufen. Das Center beschäftigt heute bereits über 150 Mitarbeiter und wird die Zentrale der börsennotierten Intercell AG sein. Für Wien ist das ein wichtiger Meilenstein der Standortsicherung.

STANDARD: Standortentwicklung und Betriebsansiedlungen sind doch Aufgaben der öffentlichen Hand. Warum macht das ein Privater?

Ölz: Wenn die öffentliche Seite mit einem privaten Unternehmen zusammenarbeitet, dann profitiert sie von dessen Dynamik und von seinen wirtschaftlichen Interessen. Bei verantwortungsvollem Umgang bringt so eine PPP-Kooperation überaus wirkungsvolle Synergieeffekte und Impulse.

STANDARD: Life Sciences sind anscheinend ein gutes Geschäft für die Region. Sind ähnliche Projekte für die Bundesländer geplant?

Mandl: Neben Wien mit seinen erfolgreichen Projekten auf dem Campus Vienna Biocenter und rund um das AKH konnten sich bereits Innsbruck und Graz als weitere Life-Science-Standorte etablieren. Das Potenzial und die Bedeutung dieses Bereichs für ganz Österreich zeigt sich aber auch in den anderen Bundesländern, wo derzeit aktuelle Initiativen laufen.

STANDARD: Wo konkret?

Mandl: Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen: und zwar das Molekularbiologische Institut VIVIT in dem von uns entwickelten Competence Center Dornbirn. Aber gerade auch Salzburg mit seinen ausgezeichneten Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und seiner besonderen geografischen Lage verfügt unserer Ansicht nach über ein großes Potenzial im Bereich der Life Sciences.

STANDARD: Es fällt auf, dass Sie sehr stark mit der Hypo Tirol zusammenarbeiten. Auch beim aktuellen Projekt für Intercell. Gibt es in Wien denn keine anderen Partner für Sie?

Ölz: Mit der Hypo Tirol verbindet uns eine vertrauensvolle, starke und langfristig ausgerichtete Partnerschaft, die dabei hilft, die Nachhaltigkeit der Standorte in den Vordergrund zu stellen.

STANDARD: Heißt das also, dass Sie keine anderen Partner haben?

Ölz: Selbstverständlich gibt es auch andere Partner. In Wien ist das die Sparkassen Immobilien AG, die Blue Capital aus Hamburg und nicht zuletzt die zu unserer Gruppe zählende Competence Investment AG. (Gerhard Rodler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8./9.4.2007)

  • Alexander Mandl (li.) und Bernhard Ölz: "Wenn die öffentliche Seite mit einem privaten Unternehmen zusammenarbeitet, dann kann sie davon nur profitieren."
    foto: prisma-gruppe

    Alexander Mandl (li.) und Bernhard Ölz: "Wenn die öffentliche Seite mit einem privaten Unternehmen zusammenarbeitet, dann kann sie davon nur profitieren."

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