Kopf des Tages: Generalmajor Erich Wolf

23. April 2007, 16:52
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"Airchief" auf dem Boden der Tatsachen

Es gibt ein Wort, das will "Airchief" Generalmajor Erich Wolf so bald nicht mehr in den Mund nehmen: "Urgeil" - so beschrieb er einst den Eurofighter. Gut zwei Jahre, zwei Disziplinarverfahren und eine Suspendierung später hört sich das schon wesentlich sachlicher an: "Der Eurofighter ist das zukunftsweisende Modell", sagte er am Dienstag zum Standard. Zweimal ist Wolf selbst damit geflogen. Dabei "hat das Gerät all das nachgewiesen, was es laut dem Papier kann".

Ein nüchternes Urteil für einen leidenschaftlichen Flieger wie Wolf, der Ende der 70er-Jahre Weltmeister im Solo-Militärflug war. Warum jemand wie er an einen Schreibtisch im Verteidigungsministerium wechselt? "Weil man in höheren Funktionen für die Sicherheit des Landes viel erreichen kann", erklärt der "Airchief" außer Dienst nicht ganz ohne Pathos.

1992 kam Wolf, damals Kommandant des Jagdbombergeschwaders in Hörsching, in die Luftabteilung des Verteidigungsministeriums, die er von 2002 bis 2006 auch leitete. Im 2006 neu geschaffenen Streitkräftekommando wurde Wolf, der von seinen Kameraden als "stiller Machtmensch" beschrieben wird, nicht berücksichtigt - seither trug er den Titel "Airchief" ohne genaue Funktionsbeschreibung und war laut eigener Job-Description Experte für die Militärluftfahrt und für internationale Beziehungen. Seine Bewerbung als Vorstandsvorsitzender der Austrian Airlines blieb erfolglos.

Seine Rolle im Eurofighter-Beschaffungsprozess spielt der 57-Jährige nun, da die Dinge so heikel sind, herunter. Gesamtverantwortlicher für die Beschaffung sei er keineswegs gewesen, sondern lediglich eines von insgesamt 33 Mitgliedern der Bewertungskommission. Dabei habe er feststellen können, dass der Eurofighter eindeutig alle Kriterien erfülle. Ob es ihm leid tun würde, wenn Österreich in letzter Minute aus dem Vertrag aussteigen würde? "Sagen wir so: Ich würde es nicht verstehen."

Diverse Nebenbeschäftigungen von Wolf gaben schon früher Anlass zur Kritik: Im Frühjahr 2003 hatte es Gerüchte gegeben, laut denen Wolf über BZÖ-Werber Gernot Rumpold Eurofighter-Geld für Flugshows bekommen hätte. Damals konnte Wolf seine Unschuld glaubhaft versichern. Sein privates Naheverhältnis zu EADS-Lobbyist Erhard Steininger wurde ihm im nunmehrigen Disziplinarverfahren zum Verhängnis: Als Wolf, Vater von vier Kindern, 1999 seine zweite Frau Anna Maria Frühstück heiratete, war Steininger Trauzeuge.

Als politisches Opfer sieht sich Wolf nicht, denn "wäre ich ein Opfer, dann hätte man mich ja schon geschlachtet". Nachsatz: "Aber ungerecht behandelt fühle ich mich schon." Er habe schließlich nur "einen Auftrag erfüllt" - alles andere sei seine Privatangelegenheit. (Andrea Heigl/DER STANDARD, Printausgabe, 11.4.2007)

  • Seit Beginn der parlamentarischen Untersuchung ist Wolf, Gesamtverantwortlicher für Einführung der Abfangjäger, im Visier der Parlamentarier.
    foto: standard

    Seit Beginn der parlamentarischen Untersuchung ist Wolf, Gesamtverantwortlicher für Einführung der Abfangjäger, im Visier der Parlamentarier.

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