Gutes Fett vom Fisch

9. Oktober 2007, 11:12
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Omega-3-Fettsäuren lindern Schmerzen bei Entzündung - Eine ausgewogene Ernährung ist für jeden Polyarthritiker sinnvoll

Eskimos erkranken selten an chronischer Polyarthritis. Der Grund dafür liegt zwar nicht auf der Hand, ist aber in ihrem Speiseplan begründet. Für die Arktisbewohner ist Meeresfisch das wichtigste Nahrungsmittel. Sie essen es fast täglich und das lebenslang.

In unseren Breiten ist das - geografisch bedingt - anders. Makrele oder Thunfisch kommen hierzulande eher selten auf den Tisch. Unserem Körper würde das gut tun, denn vor allem Hochseefische, kalt verzehrt, sind besonders reich an Omega-3-Fettsäuren und haben eine antientzündliche Wirkung.

Ungesättigte Fettsäuren

Während Inuits überhaupt kein Problem damit haben, die fettreichen Fische im rohen Zustand zu sich zu nehmen, fehlt in Mitteleuropa dafür aber nicht nur die Tradition, sondern auch der wirklich frische Hochseefisch. Ist der Fisch erst einmal gegart, können die Omega-3-Fettsäuren die erwünschte positive Wirkung erst gar nicht entfalten.

"Es bedarf einer hohen Dosis an Omega-3-Fettsäuren, um einen Effekt zu erzielen. So viel rohen Fisch zu essen ist zwar möglich, hat aber geruchliche Auswirkungen", berichtet Elisabeth Uitz, Leiterin der Rheumatologischen Ambulanz im Landeskrankenhaus Mürzzuschlag.

Kein neuer Ansatz

Der Versuch, entzündliche Erkrankungen wie die polyrheumatische Arthritis mit Fischölkapseln günstig zu beeinflussen, ist für die Rheumatologin nicht neu. Ein Behandlungserfolg stellt sich auf diese Weise aber erst nach mehreren Wochen ein. Uitz bemühte sich daher, die Omega-3-Fettsäuren von vornherein dorthin zu transportieren, wo ihre Wirkung erwünscht ist: in entzündeten Geweben.

"Wir haben Patienten mit chronischer Gelenksentzündung Omega-3-Fettsäuren in hohen Dosen über zwei Wochen direkt in die Vene infundiert - und alle zeigten bereits nach einer Woche eine Verbesserung ihrer Beschwerden", berichtet die Expertin von einer Studie, die demnächst publiziert werden soll.

Direkt im Blut

Die Schwellungen der erkrankten Gelenke gingen zurück, und die Patienten hatten deutlich weniger Schmerzen. Was sich jedoch nicht verändert hatte, waren die Entzündungswerte im Blut. Uitz hält diesen Aspekt aber für kein Kriterium, um auf die Therapie langfristig zu verzichten: "Omega-3-Fettsäuren sind nicht als Ersatz für eine Basistherapie gedacht. Sie erlauben die Reduktion der Schmerzmittel und sind damit für die Betroffenen eine nebenwirkungsfreie und vor allem gesunde Alternative."

Dass fischreiche Nahrung für Menschen, die an chronischen Entzündungen leiden, nicht von Nachteil ist, weiß auch Daniela Loisl, Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga. Von der viel propagierten Rheumadiät als einer schmerzlindernden Maßnahme hält sie aber wenig: "Eine allgemein gültige Rheumadiät gibt es definitiv nicht. Eine ausgewogene Ernährung ist aber für jeden Polyarthritiker sinnvoll." (DER STANDARD, Printausgabe, phr, 10.4.2007)

  • Nur roher Fisch ist reich an guten Fettsäuren, als Sushi steht er im japanischen Restaurant auf dem Speiseplan.
    foto: standard/cuhaj

    Nur roher Fisch ist reich an guten Fettsäuren, als Sushi steht er im japanischen Restaurant auf dem Speiseplan.

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