Die sieben Siegel der Gütesiegel

9. April 2007, 19:03
19 Postings

Da Qualität im Lebensmittelbereich nicht mit freiem Auge erkennbar ist, wird mit einem wahren Logo-Wald versucht, Kaufentscheidungen zu erleichtern

Wien - "Es gibt eindeutig zu viele", bringt es Wilfried Oschischnig, Sprecher der Biobauern-Plattform Bio Austria, auf den Punkt. Er meint dabei die Gütesiegel nur in seinem Bereich, der biologischen Landwirtschaft.

Aber der Kennzeichnungswildwuchs lässt sich auf das gesamte Lebensmittel-Bezeichnungswesen umlegen: Da gibt es Pickerl über Herkunft, Qualitätskriterien, biologische oder konventionelle Erzeugung, Hinweise zu Gentechnik-Freiheit. Dazu kommen noch die "geschützten Ursprungsbezeichnungen" und "geschützten geografischen Angaben". Zwölf Artikel haben diese begehrte EU-Etikettierung erhalten: Gailtaler Almkäse ebenso wie Wachauer Marille und Marchfeldspargel oder steirisches Kürbiskernöl. Da die Herstellung einiger dieser Lebensmittelspezialitäten als "traditionelles Wissen" bezeichnet wird, fallen sie in den Bereich des geistigen Eigentums und können über das "Register des traditionellen Wissens" vor Nachahmung geschützt werden.

Außerdem gibt es die vielen, oft sehr erfolgreichen Eigenmarken der Lebensmittelketten, die allerdings mit ihren Botschaften nicht immer eindeutig sind. Sie suggerieren manchmal biologische Herkunft ohne biologisch hergestellt zu sein. Oschischnig weiß darüber ein Lied zu singen, rufen verunsicherte Konsumenten doch gerne bei der Bio Austria an, einer Interessenvertretung der Biobauern. "Eigenmarken der Ketten, die nicht immer auf biologischem Anbau beruhen, kosten den Biobauern dann Marktanteile", sagt er.

Flagschiff der heimischen Gütesiegel ist das rote Ama-Logo, das für Qualität, Herkunft und unabhängige Kontrolle bei heimischen Lebensmitteln steht. 95 von 100 Befragten haben es schon einmal gesehen, so eine Untersuchung von 2006. Einen fast ebenso hohen Bekanntheitsgrad hat das Pickerl der Billa/Merkur-Kette "Ja!Natürlich" sowie "Natur Pur" von Spar. Das Ama- Biozeichen ist 48 von 100 Personen bekannt.

Damit steckt ein beachtlicher Markenwert hinter diesen Logos; über deren Weiterentwicklungen wird ständig nachgedacht. Bei Billa/Merkur kommen laufend neue Produkte zu dem insgesamt bereits 630 Ja!Natürlich-Artikel umfassenden Sortiment dazu.

Bei der österreichischen Herkunftsbezeichnung Ama wäre es möglich, dass diese mit Aussagen zum Klimaschutz, nach dem Motto "wenige Transportkilometer notwendig", gekoppelt wird. Allerdings sind solche Logo-Erweiterungen, wie die Einführung eines Gütesiegels auch, eine langwierige Sache. Sowohl Sozialpartner als auch der Handel müssen zustimmen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.04.2007)

  • Mit dem Wildwuchs an Lebensmittelkennzeichnungen ist niemand glücklich.
    foto: matthias cremer/montage: karl lux

    Mit dem Wildwuchs an Lebensmittelkennzeichnungen ist niemand glücklich.

Share if you care.