Alex auf eine Karte

27. Juli 2007, 17:47
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Dienstag startete die schnellste Programmreform des ORF - Ihr Erfolg bestimmt nicht nur den Jahresbonus, sondern die Karriere von General Wrabetz

Am Dienstag entscheidet sich die weitere Karriere von Alexander Wrabetz. Mit dem ersten Teil seiner großen Programmreform qualifiziert er sich fürs internationale Fernsehmanagement - oder nicht. Wrabetz, lange als fast übervorsichtiger Manager bekannt, setzt Alex auf eine Karte.

Der Erfolg der Reform hängt an der Daily Sitcom "Mitten im Achten", meinen Branchenkenner wie Helmut Thoma, der RTL aufgebaut hat, und Hans Mahr, dort lange im Management. Wrabetz trennt sich, zum Missfallen der ÖVP und von Altgeneral Gerd Bacher, von der "ZiB 1" auf zwei Kanälen. "Ich würde kein Signal setzen, das die Kernaufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gefährden kann", sagt Bacher dem STANDARD.

Wetten, dass ...?

Der 81-Jährige hat mit Infodirektor Elmar Oberhauser um eine "Rieseneinladung" ins Traditionsrestaurant Schwarzes Kameel gewettet. Oberhauser zahlt, "wenn die ,ZiB' Zuschauer verliert und die Soap nicht bringt, was man von ihr erhofft", sagt er. "Ich wäre froh, wenn ich die Wette verliere. Nach dem, was ich bis jetzt gesehen habe, kann ich mir das inzwischen auch vorstellen."

Die Reform beschert Wetten und Spielmetaphern: "Wenn man alles auf eine Karte setzt, ist das wie im Kasino, wo man sich für Zero entscheidet", sagt Hans Mahr, nun Berater der RTL Group. Er erinnert: "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" lief anfangs "unterirdisch". Nur die Zähigkeit von Senderchef Helmut Thoma hielt die Soap bis zum Erfolg auf dem Bildschirm.

Die richtige Soap ausgesucht?

Der ORF habe keine Wahl, sagt Mahr: ",Gute Zeiten' und ,K11' in Sat.1 haben in Österreich schon zusammen mehr junge Zuschauer als die ZiB 1. Entscheidend ist: Haben sie die richtige Soap ausgesucht? Das Vorbild ist ja gefloppt."

Günter Struve, ARD-Programmdirektor, ist "besonders gespannt auf die neue Vorabend-Daily mit Comedy-Elementen und Wiener Schmäh". Selbst Bacher (81) klingt nach Begutachtung optimistisch. Auch dem langjährigen RTL-Chef Thoma klingen die Pläne "viel versprechend" nach "mehr Zuschauern", wenn die Zwangsbeglückung" mit der "ZiB 1" Geschichte ist.

Düringer: "Es kann kaum schlechter werden"

Und was hält "Super-Alex" von den Plänen - Roland Düringer, der für den "Donnerstalk" als neuer ORF-General sogar übers Wasser des ORF-Teichs lief? "Dass die ,Zeit im Bild' nur auf einem Programm läuft, ist mir egal. Wichtiger ist der Inhalt, da kann es kaum schlechter als früher werden."

Der Kabarettist setzt ohnehin andere Prioritäten: "Spannend wird der ORF, wenn es darum geht, was ich darin einmal tun werde. Im Moment gibt es noch keine Pläne."

Könnte sein, dass der ORF 2011 einen neuen Super-Alex braucht. Wrabetz weiß stets sofort, wie viele Tage seine erste Amtszeit noch hat. ORF-Chef sei wohl nicht die letzte Station in seiner Laufbahn, sagen langjährige Kenner des 47-Jährigen und tippen auf Politik oder viel eher deutsches Fernsehbusiness, etwa bei RTL. "Das habe ich mir noch gar nicht überlegt", sagt Wrabetz. Operndirektor nannte er wohl nicht ganz ernst als Ziel.

"Völliger Unsinn"

Anstaltsinsider vermuten schon Ambitionen auf seine Nachfolge. Bei Onlinedirektor Thomas Prantner etwa. "Völliger Unsinn", sagt der: "Ich hoffe auf zwei Perioden Wrabetz." Und Kommunikationschef Pius Strobl? "Ich schließe das vollkommen aus. Ich kenne meine Grenzen."

"Super-Alex" Düringer ganz generell: "Lassen wir es auf uns zukommen." (Harald Fidler/Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 10.4.2007)

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    Als "Super-Alex" Wrabetz ging Roland Düringer über den Teich vor dem ORF-Zentrum. Eine Aufwärmübung für die große Programmreform. Die nun ohne Düringer auskommt.

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