Die Weise Alte

12. April 2007, 07:00
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Warum alte Frauen degradiert werden, zeigt Barbara G. Walker mit einer Spurensuche durch die Kulturgeschichte

Unsichtbar, unattraktiv, unnütz, weil nicht mehr fruchtbar ... Das sind Zuordnungen, mit denen Frauen jenseits der Wechseljahre zu rechnen haben. Im besten Fall. Denn die patriarchale Gesellschaft hält noch ganz andere Kaliber für ältere und alte Frauen bereit: verhärmt seien sie, stur, eigensinnig (was ist eigentlich daran auszusetzen, nach den eignen Sinnen zu leben?) und sogar bösartig. Sie werden nicht Ernst genommen und nur allzu gerne lächerlich gemacht.

Barbara G. Walker begibt sich in ihrem Buch über "Die Weise Alte" auf die Suche nach den Gründen der Degradierung der alten Frauen. Als Ausgangspunkt der Untersuchung dienen ihr die verschiedenen Fassetten des dritten Aspekts der Göttinnentriade, die weise Alte, auch Tödin oder Todesgöttin genannt, die in allen Kulturen als Archetypus der Verwandlerin gilt, der Beenderin und zugleich Erneuerin aller Lebenszyklen. Eine Figur, die spätestens mit der Etablierung des monotheistischen Weltbilds verdrängt worden ist.

Die tiefgehende Analyse, welche die Autorin anhand eines beeindruckend reichhaltigen Fundus an Quellen, Hinweisen, Beispielen und Querverbindungen derselben aus verschiedenen Kulturen und Epochen hinlegt, liefert tiefgehende Erkenntnisse, die erschaudern lassen. Denn die Strategien und Mechanismen der Entmachtung der weisen Alten als Symbol - und somit jeder alten Frau - sowohl im Makrokosmos von Religion, Politik und Gesellschaft als auch im Mikrokosmos familiärer Strukturen hat es in sich. Ein Buch, das jeder bewussten Frau ans Herz gelegt sei. (dabu)

Barbara G. Walker:
Die Weise Alte. Kulturgeschichte, Symbolik, Archetypus
Frauenoffensive 2001
ISBN-10: 3881041559
Euro 14,90

Das Buch ist u.a. im Frauenzimmer erhältlich.
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    foto: frauenoffensive
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