Ende eines historischen Blattes: Italiens KP stellt "L'Unita" ein

28. Juli 2000, 11:08
Die italienische Tageszeitung "L'Unita'", Parteiorgan der regierenden Linksdemokraten (DS) wird geschlossen. Am heutigen Freitag erscheint die letzte Ausgabe, danach werden die 120 Journalisten des historischen Parteiblatts der italienischen Kommunisten, das Anfang der 20er Jahren vom Ideologen Antonio Gramsci gegründet worden war, entlassen.

Vergebens setzten sich der italienische Staatschef Carlo Azeglio Ciampi und der DS-Vorsitzende Walter Veltroni dafür ein, um die Einstellung der Produktion zu verhindern. Unter dem Druck einer schweren Verschuldung muss das Parteiblatt jedoch schließen.

In den vergangenen Tagen hatten sich Gerüchte gemehrt, denen zufolge die Bekleidungskonzerne "Benetton" oder "Robe di Kappa" die Tageszeitung übernehmen und vor dem Bankrott retten wollten. Die Verhandlungen verliefen jedoch ergebnislos. Die Tageszeitung hatte in den vergangenen Monaten bereits die Regionalredaktionen in Bologna und Florenz geschlossen, um die riesigen Verluste einzudämmen, die die Tageszeitung seit Jahren angehäuft hat. Seit die Kommunistische Partei (PCI) 1991 in die Partei der Demokratischen Linken umgewandelt wurde, hat die Tageszeitung kontinuierlich an Lesern verloren.

Alle Tageszeitungen linksorientierter Parteien stecken in Italien in einer tiefen Krise. Auf der "schwarzen Liste" der vom wirtschaftlichen Kollaps gefährdeten Tageszeitungen der Linken steht auch die "Liberazione", das Parteiblatt der altkommunistischen "Rifondazione".

Die Krise der Parteiblätter der Linken ist vor allem dem Mangel an Werbeinseraten zuzuschreiben. Experten zufolge stützt sich die Parteipresse ausschließlich auf staatliche Subventionen, die nicht ausreichen, um die zunehmenden Kosten wettzumachen. (APA)

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