Ein Zugticket und vier Preise

24. April 2007, 10:11
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Transeuropäische Strecken seien eben schwierig zu berechnen, sagen die ÖBB

Wien - 166 Euro sind nicht nur für Teenager eine Menge Geld. 166 Euro sind auch der Preisunterschied für eine Zugfahrt nach Frankreich und retour. Je nachdem, wann man welchen ÖBB-Mitarbeiter erreicht. Kundenfeindlichkeit will Franz R. den Bahnbediensteten gar nicht vorwerfen, alle Sieben mit denen er Ende März zu tun hatte, waren äußerst bemüht. Alleine: Das System steht gegen sie. Anders kann es sich Herr R. nicht erklären, warum er vier verschiedene Tarifauskünfte für ein Ticket erhalten hat.

Wien-Burgund und retour

Seine Tochter und deren Freundin wollen in der ersten Aprilwoche von Wien über Genf nach Mâcon im Burgund und retour fahren. Und riefen im Callcenter der ÖBB an. Auskunft: Pro Person koste die Karte 143 Euro. Mit 290 Euro geht die Schülerin am nächsten Tag zum Westbahnhof, um dort zu erfahren, dass das Billett leider 208 Euro kostet - pro Person.

Der Vater klemmt sich ans Telefon und wählt die Callcenternummer 051717 um die Sache aufzuklären und erhält in seinem 50 Minuten dauernden Gespräch ebenso recht volatile Auskünfte. Die erste Stelle bleibt bei den 143 Euro, möglicherweise könnte diese Option aber ausgebucht sein. Die Beschwerdestelle verbindet weiter, bei der Reisebuchung empfiehlt man ein Interrail-Ticket - pro Person zahlt man da nur mehr 125 Euro. Allerdings: Bei der Auskunftsstelle Fernverkehr rät man davon ab, da für Österreich und die Schweiz extra zu zahlen sei, verweist aber auf ein Wochenendangebot. Das auf zirka 172 Euro pro Person kommen soll. Der genaue Preis sei aber nur bei einer fixen Buchung zu erfahren. Am nächsten Morgen an der Kassa des Westbahnhofs bezahlte Herr R. schließlich - 208 Euro.

Zug ist nicht Flug

Jörg Wollmann von den ÖBB gesteht ein, dass die Preise für internationale Fahrten innerhalb kurzer Zeit rasch wechseln können. Gibt es doch nicht nur günstige Sitzplätze, die aber kontingentiert sind, sondern auch, je nach Zugart, unterschiedliche Zuschläge und Vergünstigungen. Da oft drei oder mehr Bahnen an dem Preis beteiligt seien, dürfe man es auch nicht mit Flugtickets vergleichen. Und selbst bei diesen ändern sich ja die Preise nach Buchungszeitpunkt, betont der Pressesprecher. Um zugeben zu müssen, dass aus Kundensicht ein übersichtlicheres System wohl doch besser wäre. (Michael Möseneder, DER STANDARD print, 7./8./9.4.2007)

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    foto: derstandard.at/ruka
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