Biodynamisch durch die Rebenzeile

6. April 2007, 19:02
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Das Weingut Umathum wird drei Jahre zum "Umstellungsbetrieb" geführt, bevor es dann als biodynamischer Betrieb zertifiziert wird

Frauenkirchen - Josef Umathum ist einer von mehreren österreichischen Winzern der Oberliga, die sich entschlossen haben, nach biodynamischen Grundsätzen zu arbeiten. Umathum bewirtschaftet 25 Hektar Rebflächen im burgenländischen Frauenkirchen und in Jois.

Die Betriebsgröße liegt zwar weit über dem österreichischen Durchschnitt von knapp unter fünf Hektar, ist aber immer noch in erweiterten Familienstrukturen bewirtschaftbar. Bisher arbeitete er konventionell nach KIP (kontrollierte integrierte Produktion), verwendet jedoch seit Jahren weder Kunstdünger noch Herbizide oder Insektizide. Demnächst wird Umathum einen Vertrag unterzeichnen, der das Weingut drei Jahre zum "Umstellungsbetrieb" macht, bevor er endgültig als biodynamischer Betrieb zertifiziert wird.

Der Entschluss fiel aus dem Wunsch und der Notwendigkeit heraus, etwas für die Bodengesundheit zu machen. Und biodynamisch wurde es, da ihm andere biologische Arbeitsweisen "nicht weit genug gingen" und weil er "den intellektuellen Hintergrund interessanter" findet.

Kompost, Präparate, Tees

Biodynamie ist die "strengste" Form der biologischen Bewirtschaftung, kommt ursprünglich aus dem Landbau, und arbeitet mit selbst aufbereitetem Kompost, Präparaten und Tees, die in deutlich mehr Arbeitsgängen als in der konventionellen Bearbeitung im Weingarten ausgebracht werden. Weitere Grundprinzipien sind Beobachtung und Prophylaxe. Dreh und Angelpunkte sind aufwändige Boden- und Laubarbeiten wie Geiztriebe ausbrechen, die Blätterwand so zu gestalten und in Ordnung zu halten, dass sie gut durchlüftet ist und Pilzkrankheiten weniger Chancen haben. Dies ist zwar auch im konventionellen Weinbau üblich, jedoch kann dort mit Herbiziden gearbeitet werden.

Für Josef Umathum und ein Weingut seiner Größe bedeutet das, eine Person mehr zu beschäftigen. Kostenmäßig mag es Einsparungen bei konventionellen Spritzmitteln geben, was aber durch die höheren Personalkosten zum Nullsummenspiel wird. (ls, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8./9.4.2007)

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