"Die Leute kaufen wie verrückt Hasen und Ostereier"

5. Juni 2007, 19:20
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Ostern legt dem Handel heuer 200 Millionen Euro Umsatz ins Nest. Ostermärkte und Lebensmittelhändler gehen in den Endspurt. Doch nicht alle werden beschenkt

Wien – "Der schlimmste Feind ist der Wind. Eine starke Böe und 200 bis 300 Eier sind hin. Dass kleine Kinder hinein fallen, passiert nur einmal in der Saison." Kunstgewerbe-Händler Peter Priess lässt den Blick besorgt über die zerbrechliche Pracht an ausgeblasenen bunten Eiern wandern.

Priess ist seit 32 Jahren im Eiergeschäft. Alle seien sie in Heimarbeit bemalt, sagt er. Und jedes Jahr zu Ostern bietet er seine Ware an der Wiener Freyung feil.

Exportschlager

Unter den grünen Pavillons sind 40.000 Eier von Hühnern, Wachteln, Enten und Straußen gestapelt. Gut 2000 Motive habe er im Sortiment. Die Verkaufsschlager werden später exportiert. Priess: Wir machen 40 Prozent des Geschäfts in den USA, liefern auch nach Alaska, Japan und Hawaii."

Der Saisonauftakt haben ein durchs schlechte Wetter gelitten, mittlerweile sei er jedoch mit dem Umsatz zufrieden.

Bio-Imker Christoph Zahligen verkauft am Bauernmarkt ums Eck Wachseier und zwölf Sorten Honig. "Zu Ostern kaufen die Leute Geschenke nicht weil sie billig, sondern weil sie einmalig und schön sind."

Einige Stände weiter packt Lilli Offner für ihre Kunden einen Strudel nach dem anderen ein. "Da ist keine Chemie drinnen, günstig sind sie auch", sagt sie. Unter ihren Kunden seien viel ältere Menschen mit schmaler Geldbörse. "Die Leute sollen sich zu Ostern etwas Gutes leisten können."

Die Wienerin Trude Urban hilft im kleinen Blumenladen Matern ihrer Tochter aus. "Die Leute machen zu Ostern meist Urlaub oder kaufen Wellness-Gutscheine", seufzt sie. "Für Blumen will keiner mehr was ausgeben." Früher in den 70-er Jahren, ja da hätten viele zu Ostern noch Stöckerln für Gräber und Kirchen bestellt, sagt Urban. Aber diese Zeit sei vorbei, das Budget für Blumen begrenze sich heute auf 15 Euro.

Süßwarenproduzent Walter Heindl kommt mit der Versorgung seiner Wiener Filialen hingegen kaum nach – er sitzt statt im Firmenbüro im Lieferwagen. "Die Leute kaufen heuer wie verrückt Hasen und süße Eier. Unsere Filialen sind voll mit Japanern." Die Osterzeit bringe ihm ein Viertel des Jahresgeschäfts, sagt Heindl. Begehrt sei vor allem ungewöhnliche Schokolade. "Unsere Kunden kommen und fragen, was es denn Neues gibt."

"Gegessen wird immer"

15 bis 20 Prozent mehr Umsatz als etwa im Februar macht derzeit auch Tirols Speckhersteller Handl, sagt Unternehmenschef Stefan Frank. Besonders beliebt: Geschenkkörbe mit Tiroler Kernsortimenten. "Gegessen wird immer.´"

Österreichs Handel rechnet heuer im Ostergeschäft alles in allem mit einem Plus von fünf Prozent auf 200 Mio. Euro. Die Branche profitiere vor allem von einer guten Wirtschaftsentwicklung, die den Konsum stärkt. Auch Touristen treiben das Geschäft an: In einigen umliegenden Ländern fiel der Karfreitag auf einen Feiertag.

80 Prozent der Österreicher wollen laut einer Wirtschaftskammer-Umfrage Süßes verschenken. Rund ein Drittel der Befragten gab an, Bücher und Spielsachen ins Nest zu legen.

Endspurt am Samstag

Am Samstag setzt traditionell der Endspurt auf Lebensmittelhändler ein. Billa, Merkur und Penny verkaufen rund 2,6 Mio. Osterhasen, zehn Mio. bunte Eier und eine Mio. Dekorartikel. Bei den Süßwaren habe es 2006 etwa zweistelliges Wachstum gegeben.

"Ostern ist für uns eine der wichtigsten Saisonen", bestätigt auch Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Ein markanter Trend: Statt Eier selbst zu färben, greifen die Österreicher verstärkt auch am Land zu fertigen bunten Eiern. Der Eierpreis ist stark angezogen. Eine Sechserpackung kostet um acht Prozent mehr als 2006. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8./9.4.2007)

  • Touristen kurbeln das Ostergeschäft an. Schlimmster Feind der Marktstandler ist aber der Wind: eine starke Böe, und 300 Eier sind hin.
    foto: standard/corn

    Touristen kurbeln das Ostergeschäft an. Schlimmster Feind der Marktstandler ist aber der Wind: eine starke Böe, und 300 Eier sind hin.

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