Paradies-Pflege mittels Wildgehege

    6. April 2007, 17:00
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    Der Gaisstein in Nieder­österreich bietet einen fantastischen Rundblick - Der felsige Gipfel ist nur über schmalen Steig zu erreichen

    Unter Kennern der Voralpen hatte der Gaisstein bei Furth an der Triesting immer schon einen guten Ruf, bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen in der alpinen Literatur die ersten Lobeshymnen auf den Berg, dessen felsiger Gipfel einen fantastischen Rundblick bietet und nur auf einem schmalen, unmarkierten Steig zu erreichen ist.

    Als vor wenigen Jahren die zuständige Bezirkshauptmannschaft gestattete, die gesamte Gipfelregion zu umzäunen, um ein Wildgehege zu schaffen, glaubte man, der Bereich wäre nun besonders geschützt, die Idylle in der Gipfelregion sozusagen perpetuiert. Doch in dem Gehege entstand ein ganzes Netz von grauslichen Forststraßen, von denen eine sogar bis in den Gipfelhang reicht – und bei einem Hochstand endet. Der Traumberg Gaisstein ist beinahe nur mehr ein Traum.

    Glück vom Sattel aus

    Zum Glück ist der Weg vom Sattel oberhalb der Himmelsreith bis zum höchsten Punkt noch "naturbelassen", dort kann man den Wanderern noch beistimmen, die vom Gaisstein schwärmten. Weiter unten bietet sich bereits ein anderes Bild.

    Die einst beliebte Runde mit dem Abstieg vom Sattel auf einer Forststraße am Nordhang ist bedingt anzuraten, denn der Überstieg über den Zaun befindet sich etwa 20 Meter neben dem Tor und ist nur über eine unbefestigte, sehr abschüssige und rutschige Böschung und durch Unterholz zu erreichen. Zwei senkrechte Leitern verlangten Gewandtheit. Unmöglich geworden ist der Abstieg über den Ostgrat – eine leichte, aber sehr schöne Kletterei –, weil man dann nicht über den Zaun kommt.

    Noch hat der Gaisstein in der obersten Zone Idylle und Romantik zu bieten. Dort stimmen auch die Verse des Walter Rellich, des häufigsten Besuchers des Berges, der im Gipfelbuch schrieb: "Da fühl i frei mi und a fromm, i hoff do sehr, dass es so ausschaut, wann i amol in Himmel komm." Wie lange das reduzierte Paradies noch Bestand hat, bleibt ungewiss.

    Zwar wurde auch der einstige Fahrweg zwischen Amöd und dem Gehöft Gaisstein verbreitert, der Anstieg auf der Sonnseite ist aber der Route auf der Nordseite trotzdem vorzuziehen. Ein Teil des Weges ist unmarkiert, aber nicht zu verfehlen.

    Die Route: Bei der Kirche in Furth an der Triesting beginnt die rote Markierung, die über freies Terrain zum Hof Amöd führt. Über das Gehöft Gaisstein gelangt man zum Zaun des "Wildgeheges", den man durch eine Drehtür passiert. Später wendet sich die rote Markierung nach links, man bleibt aber auf der Forststraße bis in den Sattel oberhalb der Himmelsreith. Gehzeit ab Furth: 1½ Stunden.

    Direkt im Sattel, beim Überstieg über den Weidezaun, erreicht man den schmalen, anfangs steilen Steig, der in einer halben Stunde zum höchsten Punkt – mit Gipfelkreuz – führt. Der Abstieg erfolgt auf der Anstiegsroute, Gehzeit: 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8./9.4.2007)

    Gesamtgehzeit: 3½ Stunden, Höhendifferenz: knapp 600 Meter. Kein Stützpunkt auf der Route. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 75 (Puchberg).
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      foto: steffen schmidt
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