Wie das Ei ins Osternest kommt

5. Juni 2007, 19:20
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300 Hendlbauern beliefern den Handel unter der Marke "Toni's Freilandeier"

Wien - Toni Hubmann, Hendlbauer in Knittelfeld, ist Primus der 300 Landwirte, die unter der Marke "Toni's Freilandeier" firmieren. Und die 500.000 Legehennen der Lieferanten legen den österreichischen Konsumenten einen Teil der Ostereier in die Nester. Hubmann fungiert als Namensgeber und Vertriebspartner. Er macht mit 42 Mitarbeitern 18 Millionen Euro Umsatz. "Zwei Millionen Ostereier habe ich heuer ausgeliefert", sagt Hubmann.

Die Farbe aufs Ei kommt vom burgenländischen Konkurrenten Schlögl, der zur Osterzeit 20 Millionen Eier für die Steirer und andere Produzenten maschinell einfärbt. "Die Eier werden gekocht und dann mit Farbe besprüht, das ist fast wie in einer Autolackiererei", sagt Hubmann.

Nicht nur glücklich über Dachmarke

Die Lieferanten von "Toni's Freilandeier" sind über ihre Dachmarke geteilter Meinung. Willi Grain aus Feldbach, auf dessen Hof 3200 Hennen herumlaufen, ist unzufrieden: "Mich stört, dass Hubmanns konventionelle Eier mehr beworben werden als unsere Bio-Eier." In der Vermarktung werde zu wenig Augenmerk auf Bio gelegt, sagt Grain. Er sei jedoch auf einen Großhändler angewiesen, da bei einer Menge von knapp 900.000 Eiern jährlich ein Ab-Hof-Verkauf nicht mehr möglich sei.

"Wir sind mit unserem Geschäftspartner zufrieden. Als kleiner Hof brauchen wir eine Vermarktungsschiene", sagt hingegen Biobauer Josef Gangl aus Straden. "Ein einheitlicher Auftritt ist wichtig."

Gerhard Höllerl in Loipersdorf hat 5000 Hennen und beklagt die niedrigen Preise. "Die Eier werden zu den Preisen gekauft, die sich Toni vorstellt." Zehn bis elf Euro bekommt er für 100 Stück. "Bei Qualität und Tierschutz sind wir in der ersten Reihe, preislich in der letzten." In der Branche herrsche beinharter Konkurrenzkampf. Auch Höllerl lässt bei Schlögl "Fremdfärben", etwa 4000 Eier waren es heuer.

50 Millionen bunte Eier

Die Agrarmarkt Austria (AMA) beziffert den heimischen Konsum an bunten Ostereiern mit rund 50 Millionen Stück. "Wir haben jetzt eine absolute Absatzspitze, die wir mit ausschließlich inländischen Eiern nicht decken können", sagt AMA-Marketingmanager Rudolf Stückler dem Standard. Er schätzt, dass die Hälfte der gefärbten Ware aus den Ausland kommt. Die Konsumenten müssten beim Kauf daher auf die Verpackungskennzeichnung achten, wenn sie inländische Ware wollten.

Österreich kann sich nur zu 73 Prozent selbst mit Eiern versorgen. Im Schnitt isst jeder Bürger 233 Eier pro Jahr. Bald Vergangenheit ist die Käfighaltung: Sie wird 2009 in Österreich und 2012 EU-weit verboten. (Barbara Forstner, DER STANDARD print, 6.4.2007)

  • Zuerst die Henne, dann die Farbe, zuletzt das Ei im Osternest. Ostern ist für die Eierlieferanten Hochsaison. Doch rund die Hälfte der Eier kommt aus dem Ausland
    foto: waldhaeusl.com

    Zuerst die Henne, dann die Farbe, zuletzt das Ei im Osternest. Ostern ist für die Eierlieferanten Hochsaison. Doch rund die Hälfte der Eier kommt aus dem Ausland

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