
Die Fermenter (hinten) werden aus gewaltigen Maislagern "gefüttert". Was hinten raus kommt, hat Erdgasqualität.
Wien/Pliening - Die Bagger sind jeden Tag im Einsatz - schaufeln die Maissilage in zwei Behälter, aus denen stetig die Fermenter gespeist werden. Es sind gewaltige Mengen, die benötigt werden, damit das im Dezember eröffnete Werk im bayrischen Pliening so richtig angasen kann: Mehr als 100 Tonnen pro Tag - 40.000 Tonnen pro Jahr.
Was nach der Fermentation und der Spezialbehandlung hinten heraus kommt, ist ein Energieträger der edlen Sorte: Biogas in Erdgasqualität, das direkt in das Erdgasnetz eingespeist werden kann. "Das ist das bisher größte Biogaswerk Deutschlands, das direkt ins Netz einspeist", erläutert Ludwig Dinkloh von der Schmack Biogas AG, dem Marktführer dieser aufstrebenden Branche in Deutschland. Immerhin werden in dieser 9,8 Millionen Euro-Anlage 6,3 Millionen Kubikmeter Biorohgas erzeugt und zu 3,9 Mio m³ Biomethan veredelt. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 1300 Vier-Personen-Haushalten.
Die Verbesserung des Gases von einem 40-80-prozentigen Methananteil auf 96 Prozent ist ein ziemlich aufwändiger Vorgang - in Pliening wird er in erster Linie mit Aktivkohlefiltern bewerkstelligt.
Trotzdem ist die Anlage für die Betreiber ein gutes Geschäft. "Wir erwarten Rendite von über zehn Prozent", ist Dinkloh zuversichtlich. Daher will Schmack noch heuer gemeinsam mit Landwirten zwei weitere derartige Werke errichten und im kommenden Jahr gleich doppelt so viele.
Was dieses Biogas-Werk noch um einiges spezieller macht: Da das Gas eingespeist wird, braucht es nicht wie sonst üblich direkt am Standort weiter verarbeitet werden. Dies ist aber auch nur durch die besseren rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland möglich: Mit Hilfe der "virtuellen Verstromung". Sprich: Der Energieversorger Eon Bayern entnimmt irgendwo anders am Netz die gleiche Menge, die das Biogaswerk einspeist, macht Strom daraus - und bekommt dafür trotzdem den erhöhten Ökotarif. Ein Vorgang, der nach dem österreichischen Ökostromgesetz nicht möglich wäre.
Schlüsseltechnologie
Dass derartige Technologien in den nächsten Jahren auch in Österreich boomen werden, ist Dieter Hornbachner von der "Hornbachner Energie Innovation" (HEI) in Wien trotzdem überzeugt. Biogas gelte als "eine Schlüsseltechnologie für ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Energiesystem", erläutert er.
Tatsächlich war Österreich in der Veredelung von Biogas Vorreiter: Die erste derartige Anlage von der Biogas ins Erdgasnetz eingespeist wird, ging 2005 im oberösterreichischen Pucking in Betrieb. Dieses Referenzwerk hat eine Einspeisekapazität von jährlich 400.000 Kilowattstunden, was dem Jahresbedarf von rund 40 Wohnungen entspricht.
Membran-Veredelung
Inzwischen stehen aber bereits einige weitere Anlagenbetreiber in den Startlöchern. Diesen Sommer soll im niederösterreichischen Bruck an der Leitha eine Großanlage ans Erdgasnetz gehen. Angepeilt wird eine Leistung von rund 800.000 m³ pro Jahr - damit könnte bereits die Hälfte des derzeitigen Verbrauchs aller gasbetriebenen Fahrzeuge in Österreich abgedeckt werden. Hier wird zur Veredelung des Gases auch erstmals nicht auf Aktivkohle, sondern auf eine vollkommen neue Membrantechnologie gesetzt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist in Bruck die Entwicklung von geeigneten Fruchtfolgen. "Bisher ging man davon aus, dass mit der landwirtschaftlichen Kapazität rund sechs Prozent des österreichischen Gasverbrauchs abgedeckt werden könnten", erläutert Walter Graf vom Energiepark Bruck/Leitha. "Würden die Bauern aber etwa weiter Korn anbauen und dann im Herbst noch einmal Gras für die Biogasproduktion, könnte bis zu einem Drittel des Gasbedarfs abgedeckt werden."
Ein weiteres Großprojekt wird derzeit am Standort der Kläranlage Leoben entwickelt. Und noch eine weitere 500 KW-Anlage wird im steirischen Weitendorf errichtet: Dort ist auch die OMV-Gas- sparte an Bord, da in diesem Werk eine Treibstoffaufarbeitung geplant ist.
Denn das ist ein weiteres Marktpotenzial von Biogas: Hornbachner weist darauf hin, dass im 2006 beschlossenen Aktionsprogramm von OMV und Lebensministerium die Bereitstellung eines Treibstoffes mit mindestens 20 Prozent Biogasanteil vorgesehen ist. Demnach sollen bis 2010 rund 200 Gastankstellen errichtet und die Fahrzeugflotte von 650 Gasautos auf mindestens 50.000 gesteigert werden. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 6. April 2007)
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... eines grundlegenden umdenk-prozesses:
es ist nicht sinnvoll die derzeitige energieverschwendung beizubehalten und auf erneuerbare energieformen statt mineraloel umzusteigen.
sinnvoll ist nur ein umstieg bei gleichzeitiger oder besser noch nach einer erhoehung der effizienz der energienutzung ...
also weg mit dem miv, her mit einem guten oeffi-angeboten her mit gut isolierten passiv haeussern etc. ...
just my 0.02€
v.a. vor dem HIntergrund steigender Energiepreise. Auch die Effizienz des MIV wird noch wesentlich besser - sodaß der locker die Energieeffizienz der Öffis von heute erreicht (die durchschnittlich pro Fahrgast sehr viel mehr Energie brauchen als gemeinhin angenommen und als Sie wahrscheinlich denken)
Und ich würde wetten, daß eher die Öffis breitflächig von der Landkarte verschwinden als der vielgescholtene MIV - und zwar aus vielerlei Gründen.
- es ist doch eine verrückte Welt...
in Brasilien wird einerseits der Urwald gerodet damit dort Soja angebaut werden kann der zu nichts anderem dient als Tierfutter, - während dort unmittelbar nebendran Menschen verhungern.
In Europa werden Lebensmittel produziert, - nur um sie zu verheizen.
Die Europäischen Wohlstandsgesellschaften haben scheinbar jedes Mass verloren, - auch an dem der Mitmenschlichkeit.
Für Produzenten zählt nur noch die Profitmaximierung für die Konsumenten der billigste Preis....
...Energieeinheiten hineingesteckt werden müssen um eine Energieeinheit von Biogas zu erhalten.
Nach der Beschreibung scheint diese Methode effizienter zu sein als Ethanolsprit aus Mais zu erzeugen. Ich wäre dankbar wenn mich jemand darüber aufklären könnte.
http://poel-tec.ipmac.de/download/... l_verg.pdf
Die Biogaserzeugung dürfte effizienter sein da der Ertrag pro ha deutlich höher ist
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